In der Zeit um Ostern sind heimische Wiesen von Gänseblümchen übersät. Diese Pflanze, mit anderen Namen Maßliebchen oder Tausendschön, ist von März bis November anzutreffen. Ob der Name Gänseblümchen von einer besonderen Gänse-Vorliebe kommt, ist nicht bekannt. Botanisch betrachtet, zählt das Gänseblümchen zu den Korbblütlern, kann bis zu 25 cm hoch werden und ist in ganz Europa verbreitet. Die an sich bescheidenen gelben Blütenköpfe erhielten durch Züchtungen riesige, prall gefüllte Varianten. Besonders riesige Sorten werden als Beethoven-Gänseblümchen bezeichnet. Schon vor Jahrhunderten wurden Gänseblümchen in der Naturheilkunde eingesetzt. Sie sollen bei hohem Blutdruck, Verstopfung, Leber- und Nierenleiden, Gicht, Rheuma und Hautproblemen helfen. Würde es einen Pflanzenfilm geben, dann würden wohl Gänseblümchen keine Hauptrolle spielen. Sie sind (fast) immer und überall zu finden, sind gewöhnlich, sind Alltag. Gerade die Anspruchslosigkeit dieser Blüten ist aber bemerkenswert. Andrea Schwarz, Schriftstellerin und Gänseblümchen-Fan, schreibt im Band „Ich mag Gänseblümchen“: „Mir bedeuten Gänseblümchen viel: das Leben, das sich im schäbigen Rasen, auf schlechtestem Boden mitten in der Stadt durchkämpft; es ist für mich ein Zeichen für die kleinen, unscheinbaren Alltäglichkeiten, an denen wir, von scheinbar großen Dingen unseres Lebens gefangen, einfach vorbeilaufen.“In früherer Zeit nannte man das Gänseblümchen gerne die „Blume der Verliebten“. Wohl deshalb, weil jede/r sich diese Blumen leisten und einen Strauß verschenken konnte. Vielleicht kam die Bezeichnung auch daher, daß sich die Blütenblätter (wie bei der Margarite) abwechselnd auszupfen lassen („Sie/Er liebt mich – liebt mich nicht“). Zarte, unaufdringliche Blumen als schicksalsentscheidende Wahrsagerinnen? Mag sein, daß hinter dem Spiel der Wunsch steckt, sich der Liebe des anderen, des Partners, des bzw. der Angebeteten sicher sein zu können. Liebe kennt keine absolute Sicherheit, sie kennt das Vertrauen.