Was hilft die beste Versorgung und das schönste Einzelzimmer im Altersheim, wenn man darin vereinsamt?
Eine pensionierte Geschäftsfrau, die es gewohnt war, ständig viele Leute um sich zu haben und noch sehr agil und an allem interessiert ist, meint: „Man kann ja nicht immer nur vor dem Fernseher hocken.“ Ähnlich sieht es ihr Zimmernachbar, ein früherer Wirtschaftstreuhänder. Freundschaften werden im Alter nicht mehr so leicht geschlossen wie in jungen Jahren, dennoch braucht man für ein erfülltes Leben Kontakte und Herausforderungen. Viele Altenheime sind bemüht, Impulse zu geben. Angebote werden auch dankbar angenommen – allerdings ist Basteln oder bloße „Beschäftigungstherapie“ nicht jedermanns Sache. Daß Anregungen für geistige Auseinandersetzungen mehr sein könnten, hörte auch der ehemalige Chefredakteur der Kirchenzeitung, DDr. Josef Schicho, des öfteren bei Besuchen in Seniorenheimen klagen. Seit Dr. Schicho vor nunmehr drei Jahren in Pension gegangen ist, ist er nicht nur Privatradiobeauftragter der Diözese Linz, er hat sich auch der Seniorenarbeit verschrieben, arbeitet für das Seniorenradio und leitet erfolgreich Seniorenrunden in Altersheimen. Eine Erfahrung: Die Interessen sind schichtspezifisch. In einem großen städtischen Altersheim hören die Senioren gern Geschichten, beziehungsweise erzählen sie mit Vorliebe selber aus ihrem Leben. In einem privaten Seniorenheim will man am liebsten tagespolitische oder andere anspruchsvolle Themen diskutieren. Der Bogen spannt sich von Naturwissenschaft und Technik bis hin zu Sinn- und Glaubensfragen. Bis zu 20 Leute kommen jeweils zu solchen Nachmittagsrunden – der älteste Teilnehmer ist 91 Jahre. Brigitte Huber von der Altenpastoral der Diözese Linz weist auf ähnliche anregende Initiativen in Seniorenheimen hin. Die Erfahrung zeigt, daß so gut wie immer ein „Motor“ von außen dahintersteht.
Sonderdienste Nicht selten ist es Ordenspersonal, das sich für sinnvolle Freizeitangebote – von Festgestaltung bis Animation – einsetzt, etwa einen Singkreis oder Seniorentheater initiiert oder Gedächtnisübungen anbietet, auch als Abendveranstaltung, da ja nicht alle Senioren früh ins Bett gehen wollen. Eine Zukunftsvision von Brigitte Huber wäre es, wenn es in den Heimen ein Netz, eine Art „Freundeskreis“, aus pfarrlichen oder politischen Gemeinden gäbe, die den Heimalltag in Zusammenarbeit mit der Heimleitung und den Mitarbeitern beleben. Sich nur am „Tag der Alten“ oder um Weihnachten zu zeigen, sei zu wenig. Unabhängig davon werden in der Diözese Linz Ehrenamtliche für die Altenheim- und Krankenhausseelsorge ausgebildet.
Seniorenrunden-Thema: Gesundheit – unser höchstes Gut Von 13 teilnehmenden Senioren kamen folgende Aussagen: – Lebenswertes Leben gibt es auch, wenn man ans Bett gefesselt ist. Man muß aus der Situation das Beste machen und das Positive sehen, das man hat, und nicht das bejammern, was fehlt. – Um gesund und fit zu bleiben, muß man auch etwas tun, und soweit als möglich die Ursachen beseitigen, anstatt nur Pulverl zu schlucken. – Frau im Rollstuhl: Man muß einfach manches in Kauf nehmen, aber wichtig ist die geistige Frische. – Sich nicht gehen lassen, sondern auch im Kleinen Neues planen, eben das, was möglich ist, und Anteil nehmen an allem durch Bücher, Zeitungen und Radio. – Es ist wichtig – trotz allem – Optimismus und Humor beizubehalten. – Nicht zu viel bedienen lassen, sondern selbständig bleiben! – Ein Segen ist das Telefon, das täglichen Kontakt zu Bekannten und Verwandten ermöglicht.