- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Mali Sachsenhofer
Wäre der Wirbel nicht so groß und der Lärmpegel im Supermarkt nicht so hoch gewesen, wäre die junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn schon längst aufgefallen. In der Schlange vor der Kassa bettelte und quengelte der Kleine und bedrängte seine Mama mit der Bitte: „Wenigstens schauen, was es kostet!“
Am Ständer vor der übernächsten Kassa war etwas, vermutlich eine Schleckerei, das das Kind unbedingt haben wollte.
Beim Dialog zwischen den beiden vertrat jeder mit Hartnäckigkeit seinen Standpunkt. Inzwischen legte die Mutter ihre Waren auf das Laufband. Da geschah es. Mit einem Protestgeschrei und verbissener Entschlossenheit im Gesicht überkletterte der Kleine die Absperrgitter zwischen den Kassenzugängen, erreichte das Objekt seiner Begierde, hielt es triumphierend in der Hand, überkletterte wieder alle Zäune und erreichte damit die Kassa, bei der seine Mama ihre Waren bereits bezahlt hatte. Zumindest ab diesem Zeitpunkt hatte der Machtkampf zwischen Mutter und Kind die volle Aufmerksamkeit aller auf sich gezogen. „Mama, bitte zahlen!“ Die Drohung, sonst einen Wirbel zu schlagen war unüberhörbar. Das „Nein“ der Mutter klang zwar sicher, aber ihre Angst, sich in dieser Öffentlichkeit zu blamieren, war für mich fast körperlich zu spüren.
Da legte das Kind mit seinem Gebrüll auch schon richtig los. Aber alles übertönend, befahl die Mutter: „Du bringst es sofort zurück!“ Zähneknirschend, mit Wut im Bauch, gab das Kind das begehrte Ding auf den Ständer und kehrte zu seiner Mama zurück.
Die beiden verließen die Szene nicht wie Sieger und Besiegte, eher wie Kumpel nach getaner Arbeit. Bravo Mama und Gratulation dem jungen Mann! Ihm ist eine wichtige Lektion fürs Leben zuteil geworden.