- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Bernhard Schuchter
Der Krieg am Balkan löst schwere Erschütterungen aus. Die täglichen Bildberichte in den Fernsehnachrichten treffen uns zutiefst. Eigentlich will man es gar nicht wahr haben, daß dieser Krieg mit solcher Grausamkeit Realität ist. Ob da nicht unser Innerstes verwirrt ist, angesichts dieser tragischen Geschehnisse? Im Evangelium des Sonntags spricht Jesus den Jüngern zu: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Der Text ist aus dem Bericht vom Abschiedsmahl entnommen, der mit der Fußwaschung eingeleitet ist. Die Jünger sind in der schweren Lage, daß ihnen Jesus verloren geht, sein gewaltsamer Tod steht bevor. Es ist zu gut verständlich, daß Trostlosigkeit, Verzagtheit und Verwirrung die Jünger heimsucht. Jesus nimmt ihre Situation ernst. Er ermutigt sie, an Gott und an ihn zu glauben. Er lädt sie ein, an der vertrauensvollen Beziehung zu ihm festzuhalten und diese ja nicht aufzugeben. Gott wird das Seine tun, daß diese Beziehung nicht zerstört wird, auch nicht durch den Tod Jesu. In seiner Auferstehung bewahrheitet sich dies.
Halt finden zu leben
Beziehung und Vertrauen – das gibt Halt. Da kann der Mensch trotz aller Wirrnisse Halt und Geborgenheit finden. Das ist auch möglich in der Beziehung zu Gott, indem uns eine Wohnung bei ihm für immer versprochen wird. Der vorübergehenden Trennung durch den Tod wird die Zeit nie endender Gemeinschaft folgen. Jene, die glauben, sind jetzt schon bei Gott beheimatet. Da läßt Glaube jene Wurzeln schlagen, die unserem Leben Beständigkeit geben, die auch in schwierigen Situationen durchhalten läßt. Glaube an Gott und an Jesus Christus hilft, daß wir unserem Alltag eine positive Richtung geben. Verzagtheit, Mißtrauen und Angst werden immer wieder aufkommen. Sie sind sogar berechtigt, wenn sie einen darauf hinweisen, nach einem besseren Weg Ausschau zu halten. Sie dürfen aber nicht dazu führen, unsere Initiativen für eine sinnvolle Lebensbewältigung zu lähmen. Wenn unser Glaube an Gott als persönliche Beziehung zu ihm gestaltet wird, kann er Lebenskräfte freisetzen, die zu Taten befähigen, die auch Jesus getan hat. Bei allem, was Jesus getan hat, hat er seine Beziehung zum Vater nie vernachlässigt. Sie gab ihm das nötige Vertrauen, an seinem Auftrag festzuhalten, dem anbrechenden Reich Gottes Gültigkeit zu verschaffen, indem er durch seine Liebe Mensch und Welt erlöst hat.
Mut, Phantasie, Stachel
Das war sein Werk, das er mit letzter Konsequenz – mit dem Einsatz seines Lebens verwirklicht hat. In diesem Evangelium sagt uns Jesus: „Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen.“ Glaube gibt Fähigkeit und Mut zu Taten, welche unser Dasein menschlich machen. Er gibt uns Phantasie, das zu tun, was anderen Hoffnung gibt. Der Glaube leitet uns an zu Aktionen, die eine friedliche Welt aufbauen. Dabei dürfen wir die Zuversicht haben: Gott steht auf unserer Seite. Haben wir in unserem Planen und Tun einen unerschütterlichen Glauben an diesen Gott.