Wenn die Schlüsselblumen blühen, dann ist der Frühling unaufhaltsam im Land. Das leuchtende Gelb ihrer Blüten bringt die Farben nach dem weiß-grauen Winter zurück. Seit dem 15. Jh. wird die Pflanze wegen der schlüsselähnlichen Form ihrer Blüten so benannt. Die bitteren Wurzeln, wohlriechenden Blüten und runzeligen Blätter werden in der Naturmedizin zur Bekämpfung von Rheuma, Gicht, Gelenksentzündungen und Blutergüssen verwendet. Diese Wirkung begründet die französische Bezeichnung „Lähmungskraut“. Andererseits helfen die Stoffe der Pflanze, die zur Familie der Primeln zählt, gegen Husten, Verschleimung und Bronchitis.
Der Volksmund bezeichnet die Schlüsselblume als „Himmelschlüssel“. Darunter sind wohl kaum jene symbolischen „Schlüssel des Himmelreiches“ gemeint, von denen Jesus sprach, als er den Simon zum Felsen (Petrus) erklärte, auf dem die Kirche gebaut ist (Mt 16, 19). Bis heute begründet dieser Bericht im Matthäusevangelium den Primat des Papstes, also die Vorherrschaft des Petrus-Nachfolgers unter den Bischöfen. Zum Glück gilt die Frühlings-Schlüsselblume nicht als kirchenpolitisches Symbol, sonst wäre ihr Bestand gefährdet. Gegner und Befürworter des Papstes würden sie abreißen bzw. pflücken.
Himmelschlüssel sind tausendfach zu finden. Nicht nur in der freien Natur, auf den Frühlingswiesen. Es gilt auch die Momente zu beachten, die einem Menschen den Himmel öffnen können. Was es freilich nicht gibt, ist ein himmlischer Schlüsseldienst, auch wenn manche religiöse Gruppe das vorgaukelt. Aber die Automatik „Ich lebe nach den Geboten, dafür gibt’s nach dem Tod eine Eintrittskarte in den Himmel“ funktioniert nicht. Gott läßt sich nicht kaufen. Das Reich Gottes will gesucht werden, der Himmel verlangt nach Anstrengung. „Sucht zuerst das Reich des himmlischen Vaters und seine Gerechtigkeit; dann wird euch das andere dazugegeben“, rät Jesus in der Bergpredigt (Mt 6, 33).
Wie soll das gehen, mitten im Alltag das Reich Gottes suchen? Wo finde ich im vollen Terminkalender und in der Hektik der Hausarbeit meine persönlichen Himmelschlüssel? Dem hl. Franz von Sales, einem Bischof und Blumenfreund des 17. Jh.s, wurde genau diese Frage gestellt. Er meinte: „Wenn dich deine Arbeit ganz beansprucht, dann blick wenigstens von Zeit zu Zeit zu Gott auf, dann wird Gott in dir sein und deine Arbeit wird dir Freude bereiten.“
Das ist die Botschaft der Frühlings-Schlüsselblume? Du kannst in deinem Alltag Schlüssel zum Himmel finden!