Wien/Graz. Angesichts des anhaltenden Krieges im Kosovo begannen sich in der vergangenen Woche erstmals die Friedensbewegten zu Wort zu melden und zu organisieren. Künstler, Intellektuelle und Kirchenleute starteten zwei Unterschriftenaktionen für ein Ende der Gewalt und gegen die Zustimmung Österreichs zu den NATO-Bomben. In Graz wurde eine Plattform für Gewaltfreiheit und Neutralität gegründet. In Wien fand am Freitag erstmals eine Friedenskundgebung statt.
Patriarch Aleksij in Belgrad
Belgrad. Bei seinem Besuch in Belgrad forderte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Aleksij, die Einstellung der Kampfhandlungen und die Aufnahme von Verhandlungen. Gegenüber Präsident Milosevic und Albanerführer Rugova betonte er, daß allen aus dem Kosovo Vertriebenen die Rückkehr in die Heimat ermöglicht werden muß. Die NATO-Luftangriffe bezeichnete er als „schreiende Ungerechtigkeit von seiten bestimmter reicher und mächtiger Länder, die sich als Maßstab für Gut und Böse in der Welt betrachten“.
Familien werden zerrissen
Wien. Der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau forderte die Regierung auf, auch Flüchtlinge aus Albanien, die Angehörige in Österreich haben bzw. deren Verwandte in in den letzten Tagen bei uns aufgenommen wurden, nach Österreich hereinzulassen. Innenminister Schlögl betonte dagegen, daß weiterhin nur Flüchtlinge aus Mazedonien eingeflogen werden. In Albanien werde man vor Ort helfen. Durch diese unverständliche Haltung, so Landau, würden Familien, die sehr viel durchgemacht haben und durch die Flucht getrennt wurden, weiter zerrissen.