Da im Kosovo systematische Vergewaltigungen von Frauen als Teil der serbischen Kriegsführung angewandt werden, hat die UNO in den Flüchtlingslagern neben einer Erstbetreuung den betroffen Frauen auch die „Pille danach“ angeboten. Es handelt sich dabei um ein Präparat, das die Einnistung des Eis und damit das Entstehen einer Schwangerschaft verhindert. Der Vizepräsident der päpstlichen Akademie für das Leben, Bischof Sgreccia, kritisierte diese Vorgangsweise, da es sich nicht um Empfängnisverhütung, sondern um Abtreibung handle. Auf die darauf einsetzende öffentliche Kritik meinte Bischof Küng, es liege keine offizielle Erklärung des Vatikans vor und man sollte das Leid der Frauen nicht zum Gegenstand von Polemiken machen. In der Sache selber gehen die Meinungen auseinander: Krenn, Laun u. a. fordern das Austragen von Vergewaltigungskindern als „göttliches Gesetz“ ein. Kardinal Tonini (Ravenna) und die Bischöfe Spital (Trier) und Weber haben Verständnis für Frauen, die in ihrer verzweifelten Lage die „Pille danach“ nehmen. „Was in dieser Situation zählt“, so Weber, „ist der Respekt vor dem Schmerz der Frauen und das Dasein für sie. Das bedeutet nicht, ihre Handlungen zu rechtfertigen. Aber für mich heißt Seelsorge nicht allein das Durchsetzen von Prinzipien, sondern mit den Menschen in ihrer konkreten Not mitzugehen und ihr Leid nicht noch zu vergrößern.“