D er Begriff „Gebot“ löst verschiedene Reaktionen aus. Dieses Wort ist für viele mit negativen Vorstellungen belastet. Heute gilt der Jargon: Ich muß mich selbst verwirklichen können. Alles, was von außen her den Klang nach Pflicht hat – Gebote haben sicher mit Pflichten zu tun – , löst Abwehr aus. Man wehrt sich gegen jede Art von Einengung. Es wird auf das Recht gepocht, das eigene Leben ohne Einschränkung leben zu können. Es ist durchaus zuzugeben, daß es von außen vielfach Zwänge gegeben hat, deren Berechtigung fraglich war.
B eachten wir einmal, auf welchem geschichtlichen Hintergrund die Gebote in der Bibel verkündet worden sind. Es war am Berg Sinai. Gott hat dem Mose die Gebote, das Zehnwort, verkündet. Vorher wurde das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Gott will, daß die Menschen in Freiheit leben und nicht unterdrückt werden. Diese Freiheit ist Geschenk, das für das Leben, besonders für das Zusammenleben mit anderen genützt werden soll.
Gott ist für die Freiheit der Menschen eingetreten, weil er sie liebt. Liebe wird wirksam, wenn der Mensch mit Gegenliebe antwortet. Da nimmt Liebe den Menschen in Pflicht. Liebe darf nicht der Laune und der jeweiligen Gefühlsstimmung unterworfen werden. Denn darauf kann niemand bauen.
D er Blick auf Jesu Leben zeigt, daß Liebe fordern kann. Jesus hat die Liebe so ernst genommen, daß er sein ganzes Leben eingesetzt hat. Liebe, die fordert, garantiert unsere Freiheit. Unsere Freiheit soll uns zum Wagnis ermutigen, für die Liebe etwas einzusetzen, daß sich Menschen auf sie verlassen können. So bildet Liebe ein festes Fundament für Gemeinschaft und Zusammensein, die für das Leben eines jeden wesentlich sind. So garantiert sie, daß menschliches Leben Sinn findet. Wenn der Mensch dies spürt, erfährt er Heil. Das hat Jesu Liebe bewirkt, der auch die Gebote seines Vaters gehalten hat.
W ir haben Jesu Zusicherung: Wenn wir durch das Halten der Gebote Liebe verwirklichen, sind wir in seiner Liebe aufgehoben. Er verspricht uns, daß wir Gottes Beistand haben. Es ist der Geist der Liebe. Er hat im Leben Jesu gewirkt, er wirkt nun in unserem Leben, damit wir vor den Geboten nicht zurückschrecken, welche die Liebe fordert, damit sie unser Leben menschlich mache und dem Guten Gültigkeit verschafft. Solche Liebe verbindet mit Jesus. Das erschließt eine Nähe Gottes, die Sicherheit im Handeln gibt und ein Gefühl der Geborgenheit in der Gemeinschaft der Glaubenden und der Gemeinschaft mit Gott. Ein solcher Mensch erfährt Heil, das ihn in Freiheit leben läßt und zu Taten der Liebe befähigt.