Jugendliche bereiten sich in kreativen Projekten auf das Sakrament vor
Ausgabe: 1999/18, Firmung, Steinerkirchen
04.05.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Sich nur berieseln lassen? Nein, Firmvorbereitung ist etwas ganz anderes. Jugendliche und Gruppenbetreuer sprühen vor Ideen.
Das Lachen der Klosterschwestern hat sie fasziniert, ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Klischees wurden gehörig durcheinandergebracht: „Wir haben geglaubt, daß sind lauter strenge alte Frauen“, sagte da ein Mädchen. Der Ausflug der Freistädter Firmgruppe ins Kloster Steinerkirchen hat voll eingeschlagen. Sechs Mädchen meldeten sich für ein Wochenende bei den Benediktinerinnen. Wie ist der Alltag im Kloster? Warum geht eine Frau überhaupt dorthin? Darf eine Ordensschwester rauchen? - Alle Fragen, die die jungen Gäste beschäftigten, wurden besprochen. Am ersten Tag waren die Firmkandidatinnen noch etwas reserviert und unsicher, schreibt Schwester Imelda Ruf der Kirchenzeitung. „Doch am zweiten Tag wurden sie immer aufgeschlossener und lebendiger.“ Einige der Mädchen wollen wieder einmal nach Steinerkirchen auf Besuch kommen. Das Klosterlebensehen sie differenziert, wie eine von ihnen bemerkte: „Das mit dem Beten ist ein bißchen viel. Aber im Alter ist es gut, weil man nicht allein, sondern immer in Gemeinschaft ist.“ Firmvorbereitung heute: Von „sich berieseln lassen“ kann keine Rede sein. Die Firmkandidaten haben meist mehrere Projekte zur Wahl, bei denen sie selbst aktiv sind. Nicht nur der Klosterbesuch der Freistädter Gruppe war ein großer Erfolg. In der Linzer Pfarre „Heiligste Dreifaltigkeit“ etwa, haben Jugendliche Spuren des Glaubens mit der Kamera eingefangen. Die besten Fotos wurden im Vorraum der Kirche ausgestellt. Kirchturm, Liebespaar, Blumen, Straßenmusikant, Marterl, ein Regal voller Kerzen, ein Klassenzimmer der theologischen Hochschule: Gott und der Glaube offenbaren sich überall. Ein paar Burschen und Mädchen fotografierten auch Objekte, die vielleicht nicht jeder als „Spur des Glaubens“ deuten würde, etwa einen PKW mit Anhänger. Aber auch Spaß mußte sein, ist Gruppenleiter und Pastoralassistent Günther Waldhör überzeugt: „Hauptsache, die Jugendlichen waren einmal mit anderen Augen in der Stadt. Sie sollten sehen, daß Glaube nichts Abgehobenes ist, sondern uns auf Schritt und Tritt begegnet.“ Eine besondere Idee setzten Firmlinge einer weiteren Linzer Pfarre – Christkönig – um: Die von Hans Ortner betreuten Buben und Mädchen griffen die Anregung ihres Firmbegleiters auf und schufen meterhohe Säulen – Holzgestelle, die sie mit Packpapier verkleideten. – Säulen, von denen jeder Zehntel-Millimeter (die Stärke eines Blattes Papier) für ein menschliches Schicksal stand. Begleitende Plakate erläuterten dies. So aufbereitet, stellten die Firmlinge die Säulen vor der Kirche auf. Während der Sonntagsmessen am 18. April trugen sie dazu ein Anliegen vor: Helfen wir den Menschen, die durch den Kosovo-Krieg in große Not gerieten. Die Säulen veranschaulichten die Dimension der Not: 300.000 Flüchtlinge in Albanien z. B. brauchten 30 Meter, drei Säulen á zehn Meter. 5.000 Flüchtlinge, die Österreich bereit ist aufzunehmen, einen halbenMeter . . .! Der Anschauungsunterricht für die Kirchgänger zeigte große Wirkung: Sie spendeten mehr als 50.000 Schilling für die Kosovo-Hilfe der Caritas. Auch die Firmlinge der Pfarre Walding „erwirtschafteten“ mit ihrem Pfarrcafé 6.350 Schilling für „Nachbar in Not“.