- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Bernhard Schuchter
Heutzutage wird vielfach geraten, eine Standortbestimmung vorzunehmen: Wo stehe ich? Welche Richtung habe ich eingeschlagen? Was leitet mich? Rückfragen verschaffen Klarheit, welchen Kurs ich in meinem Leben verfolge. Auch als Christ sollte ich mich solchen Fragen stellen. Dies trägt bei, daß der persönliche Glaube zur lebensgestaltenden Kraft wird. Bei einer christlichen Standortbestimmung möchte ich auf drei Akzente hinweisen:
Der Christ lebt in der Welt. Mit ihr hat er sich auseinanderzusetzen. Sie hat ihren Ursprung in Gott. Der Christ darf sich den Vorgängen in der Welt nicht verschließen. Jesus Christus ist selbst in diese Welt gekommen. Er hat in dieser Welt gelebt. Durch sein Auftreten konnten Menschen erkennen: Die Welt ist von Gott geliebt, diese Liebe bleibt wirksam durch entsprechendes Handeln der Menschen. Die Mentalität, nur auf eine bessere Welt zu warten, widerspricht der Gesinnung Jesu, der sich für diese Welt eingesetzt hat. Die Welt ist der Ort unserer Bewährung. Da ist gewiß Solidarität unter Christen nötig, um den Glauben an Gott als Lebenskraft in dieser Welt sichtbar zu machen durch entsprechendes Handeln, durch einen Umgang miteinander, wie ihn die biblische Botschaft vorsieht. Jesus verbietet da jede Flucht aus der Welt. Deshalb betet er für uns.
Wenn wir als Christen in dieser Welt leben und in ihr unsere Aufgaben erfüllen, gilt uns die Zusage Jesu: Wir gehören Gott. In diesem Sonntagsevangelium werden zweimal die Worte Jesu überliefert: „Sie gehören dir.“ Jesus vertraut uns im alltäglichen Leben dem Vater an. Wie er ihn auf seinem letzten Weg gehalten hat, wird er auch uns halten.
Daß wir Gott, dem Vater, gehören und von ihm geliebt sind, verdanken wir seinem Entschluß, seinen Sohn für uns dahinzugeben. Dadurch sind wir zugleich Jesus anheimgegeben. Als Christen gehören wir auch zu Jesus. Dadurch nehmen wir teil an seinem Leben und seiner Liebe. Wir sind seine Freunde. An seiner Seite haben wir eine Würde, die uns zur Verantwortung ruft, die wir übernehmen in Familie, Beruf, Gesellschaft. Das wird erkennbar durch unsere Einsatzbereitschaft, durch unser Mitgefühl für andere, durch unsere Freiheitsliebe, Versöhnlichkeit und unseren Gemeinschaftssinn. Dabei weichen wir den Nöten dieser Welt nicht aus, weil wir wissen: Christus geht mit uns. Aus eigener Kraft würden wir den Weg durch diese Welt nicht schaffen. Jesus hat uns hineingenommen in die Liebe, die ihn mit dem Vater verbindet. Er führt auf den Kurs zum erlösten Leben, das uns mit Hoffnung, Zuversicht, Freiheit und Nächstenliebe erfüllt.