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Franz Deutsch, Solidaritätspreisträger 1998

Hoffnung ist sein Wanderstab
Ausgabe: 1999/19, Deutsch, Wanderstab, Friedensmuseum
11.05.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Es war wohl eine Fügung, daß die Familie Deutsch 1939 aus Attnang weg mußte. Der Vater, Postmeister, wurde versetzt, weil er gegen den Nationalsozialismus war. Am 21. April 1945 wurde Attnang schwer bombardiert und das Elternhaus dabei getroffen. Zwei junge Mütter mit ihren Kindern fanden den Tod. Des Postmeisters Familie aber überlebte im entfernten Grein den Krieg. Sohn Franz wurde Dorfschullehrer. 45 Jahre später, mittlerweile wieder in den Heimatbezirk zurückgekehrt, baute Franz Deutsch in Wolfsegg das erste österreichische Friedensmuseum auf. 1993 wurde es eröffnet.

Auf Belgrad fallen Bomben. Im Kosovo wird die Bevölkerung vertrieben. Die Strategie der Gewalt hat Oberhand. In dieser Zeit baut jemand ein Friedensmuseum, noch dazu in einem österreichischen Dorf! Ein Träumer, ein Weltfremder?

Fundamente unter den Luftschlössern

„Hoffnung ist der Wanderstab von der Wiege bis zum Grab“ ist eine der Überschriften im Friedensmuseum. An anderer Stelle schrieb Franz Deutsch Sätze des amerikanischen Dichters Henry D. Thoreau nieder: „Versuche Luftschlösser zu erträumen! Aber zur gleichen Zeit versuche, Fundamente unter sie zu bauen!“ Franz Deutsch, ein Mensch also mit festem Stand und Optimismus. In der Einladung zum „Tag der Friedensfreunde“ am heurigen Pfingsmontag (24. Mai) im Friedensmuseum klingt ein weiteres an: Gewissenstreue. Diese bringt er mit den Worten von Stefan Zweig auf den Punkt, der die große Pazifistin Bertha von Suttner so zu Wort kommen läßt: „Sie hat sich entschlossen, lieber im Gelächter der Menschen zu leben, als in der Trägheit des Herzens.“

Weltweites Netz

Am Wanderstab Hoffnung kam Franz Deutsch im November 1998 nach Japan zur 3. Internationalen Konferenz der Friedensmuseen in Osaka. Er sprach dort zum Thema „Friede ist keine Utopie!“ 220 Teilnehmer aus 22 Nationen der ganzen Welt waren versammelt, um an einem weltumspannenden Netz der Friedensmuseen und damit des Friedens zu knüpfen.


Alles beginnt im Geiste




Wie der Krieg in den Köpfen entsteht, so beginnt der Friede auch dort

Fragen stellen und Impulse geben, viel mehr kann ein Friedensmuseum nicht. Aber das ist schon viel.“ So beschreibt der pensionierte Dorfschullehrer Franz Deutsch aus Wolfsegg Ziel und Absicht seines „ersten österreichischen Friedensmuseums“. Er ist mit ganzem Herzen bei der Friedensarbeit. So gibt er auch Friedensblätter heraus, knüpft internationale Kontakte und veranstaltet Seminare.Aber er ist auch mit ganzem Herzen seiner Heimat verbunden. Dies, obwohl er sich vor einigen Jahren einen Jugendtraum erfüllte und mit seiner Frau eine zweijährige Weltreise unternahm. Das auch von ihm mitbetreute Heimatmuseum liegt Tür an Tür zum Friedensmuseum. Vor dem Raum ist zu lesen: „Weltkunde beginnt mit Heimatkunde.“ Der Friede, das vermittelt Franz Deutsch, ist ein europäisches, ein globales Projekt. So leidet er mit mit den Menschen, die dem Krieg in Jugoslawien ausgesetzt sind.Die NATO-Bombardements stellen wieder die Frage: Lernt der Mensch nichts dazu? Wie schaut Friedenspolitik angesichts brutaler Tyrannen aus? – „In der jetzigen Situation ist wirklich guter Rat teuer“, sagt Franz Deutsch und verweist auf die versäumten Möglichkeiten in Friedenszeiten. „Aber durch Bomben läßt sich nichts ändern und wird Feindschaft auf Jahre hinaus gefestigt.“ Wir müssen beitragen, daß Nationalismus, eine der großen Geißeln unserer Zeit, abgebaut wird.


HINTERGRUND


Hund und Katz
Der Betreiber des Friedensmuseums in Wolfsegg, Franz Deutsch, ist durch und durch Pädagoge. Friede beginnt in den Köpfen und dort hat er bei jungen Menschen die beste Chance, sich fest einzuwurzeln. Diese Überlegung steckt hinter der Ausarbeitung von etwa 100 „Friedensblättern“.
Sie sollen zum Gespräch einladen und sind für den Unterricht genauso gedacht wie für die außerschulische Jugendarbeit. Die Themen reichen vom alltäglichen Aggressionsverhalten – „Warum ich immer raufen muß?“ – bis hin zum Rechtsradikalismus.
Im Blatt „Hund und Katz“ beschreibt er, wie er Volksschüler zum Nachdenken über den Frieden anregt: Viele haben eine Katze zu Hause, manche Hund und Katze. Ob die miteinander können? – Das sei unterschiedlich, antworten die Kinder. – Dort, wo sie miteinander können, hängt es damit zusammen, daß sie von klein auf zusammengewöhnt sind.
Der Dialog über den Frieden kann entstehen.
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