„Des Menschen Tage sind wie Gras, er blüht wie eine Blume des Feldes. Fährt der Wind darüber, ist sie dahin.“ Dieser Satz aus dem Psalm 103 faßt die Schönheit und Vergänglichkeit des Lebens zusammen.
Ganze Gärten stehen im Frühjahr in voller Blüte. Bald wird es mit der blühenden Pracht wieder vorbei sein. So schön blühende Blumen und Bäume auch anzusehen sind, die Blüte erfüllt keinen Selbstzweck. „Die Blume verblüht, die Frucht muß treiben“, formulierte Friedrich Schiller. „Schönheit vergeht“, sagt der Volksmund. Der einzige Sinn der Blüte ist es, zur Frucht zu werden und darin den Fortbestand der Art zu sichern. Mit süßen Düften und leuchtenden Farben machen die Pflanzen auf sich aufmerksam, locken Insekten zur Bestäubung herbei. Wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz zur Frucht wird, so hat sich die Blüte gelohnt. In der deutschen Sprache kommt das Wort „Blüte“ in mehreren Bedeutungen vor. Nicht nur als Falschgeld-Blüten, die nicht mehr wert sind als ein paar verwelkte Blätter. Man spricht auch von wirtschaftlicher oder kultureller Blüte, vom blühenden Leben oder davon, daß eine Idee zur vollen Blüte kommt. Es kommt – bei Blumen, wie beim Menschen – immer auf den rechten Zeitpunkt an. Zu frühe Blüte erfriert im Frost, zu späte Blüte verdorrt in der Sonne. „Für alles gibt es eine Zeit“, heißt es im alttestamentlichen Buch Kohelet. Nicht traurig sein also, wenn die Bäume und Gärten verblühen, denn dann wächst im verborgenen die Frucht, kommt neues Leben hervor. In jeder zarten, verletzlichen Blüte ist die nährende Kraft der Frucht, ist das Samenkorn der nächsten Blüte enthalten. Ganz offen steht die Pflanze in voller Blüte da, ohne Garantieschein für die Zukunft. Blühen und Verblühen – dieses Lehrstück hält jede Pflanze für Menschen bereit.