Am 15. Mai stand das steirische Mariazell ganz im Zeichen der Oberösterreicher
Ausgabe: 1999/20, Mariazell, Wallfahrt
18.05.1999
- Matthäus Fellinger
19 Autobusse, dazu Leute in Privatautos – und einige, die zu Fuß oder per Fahrrad den Weg auf sich nahmen. Rund 1000 Leute folgten der Einladung zur Diözesanwallfahrt mit der Kirchenzeitung nach Mariazell.
„Die Kirche bleibt auch heute die Stadt auf dem Berg, ein Licht in einer dunklen Welt und der Sauerteig in einer Gesellschaft, die in Gefahr ist, in Egoismus und bloßem Selbstbezug in sich sitzen zu bleiben.“ Am Ende der Wallfahrtspredigt brachte Bischof Maximilian Aichern zum Ausdruck, wozu diese Wallfahrt verhelfen soll: den Glauben zu stärken und das Herz zu weiten für die vielfältigen Anliegen in der Welt. Einige Jugendliche haben eine größere Wegstrecke zu Fuß gewagt. Zu Beginn der Wallfahrtsmesse vor dem Gnadenaltar von Mariazell erzählten sie, wie sie beim Gehen an die Menschen im Kosovo dachten, die als Vertriebene unterwegs sind, Flüchtlinge ohne Ziel. Eine größere Gruppe Gehörloser konnte die Wallfahrt gut mitfeiern, Pfarrer Helmut Part aus Urfahr „dolmetschte“ als Konzelebrant die beiden Gottesdienste in die Gehörlosensprache.Die eher schlichte und doch auch festliche Gestaltung der beiden Wallfahrtsgottesdienste wurde von den rund 1000 Wallfahrern sehr dankbar aufgenommen. „Wir werden denen, die nicht mitgefahren sind, erzählen: Ihr habt etwas versäumt“, meldete sich ein Pfarrer am Montag nach der Wallfahrt am Telefon. Auch der Superior von Mariazell, P. Karl Schauer, war von der Art, wie die Wallfahrt gestaltet war, beeindruckt. Zum Gelingen haben viele beigetragen: die Schola-Gruppe um Prof. Dr. Hans Hollerweger; Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl, die Generaloberin der Marienschwestern, die über die Kraft des Glaubens aus der Tradition ihres Ordens erzählte; Maria Hiptmair und Martha Gruber aus Gutau, die von der Hoffnung berichteten, die Menschen einer Pfarre einander schenken können. Das diözesane Referat „Buch–Theater–Freitzeit“ hatte die Anmeldeorganisation zu bewältigen – keine leichte Aufgabe, denn viele Wallfahrer entschlossen sich erst sehr kurzfristig zur Teilnahme.
Dialog soll ausgebaut werden
Die Basilika von Mariazell präsentiert sich zur Zeit teilweise als Baustelle. Ein Bild für den gegenwärtigen Weg der Kirche ist das. „Wir wissen noch nicht, durch welche Abschnitte unser Weg gehen wird“, meinte Bischof Aichern. Eine Zeit des gemeinsamen Bemühens um Glauben und Glaubenserneuerung, um Kirche und Kirchenerneuerung stehe bevor. Dabei mißt Bischof Aichern dem „Ausbau des Dialogs innerhalb unserer Gemeinschaft“ große Bedeutung bei.Die Wallfahrt nach Mariazell hatte Bischof Aichern in die Thematik der Vorbereitung auf das Heilige Jahr 2000 gestellt. Zwei weitere große Diözesanwallfahrten sollen folgen: Im Frühjahr 2000 wird Rom das Ziel sein, im Jahr 2001 soll eine Diözesanwallfahrt ins Heilige Land folgen. Die Kirchenzeitung wird auch diese Wallfahrten mitorganisieren.