Wallfahrt nach Lourdes: 450 Gläubige besuchten die Gottesmutter
Ausgabe: 1999/20, Lourdes, Wallfahrt
18.05.1999
- Isabella Ömer
Bischof Maximilian Aichern: „Mich fasziniert der tiefe Glaube dieser Menschen an die Heilung, sei es an die des Körpers oder die der Seele.”
Es ist ein Sonnentag in Lourdes. Die österreichische Gruppe trifft sich vor der „Gekrönten Madonna“. Der Zaun um die Statue ist voller Blumen. Die Gläubigen schlagen die Liederbücher auf: „O Maria hilf“. Langsam geht man zur Grotte, um gemeinsam die erste Messe zu feiern. Bei der Grotte erschien vor rund 150 Jahren die Gottesmutter dem Hirtenmädchen Bernadette Soubirous.
15 Priester als Begleiter
Rund 450 Pilger nahmen von 5. bis 10. Mai an der Wallfahrt des Marianischen Lourdes-Komitees teil, die meisten aus Ober- und Niederösterreich. Bischof Maximilian Aichern, der geistliche Leiter Johannes Putzinger vom Stift Reichersberg und 14 weitere Priester begleiteten die Gläubigen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer kümmerten sich um die 60 kranken und behinderten Menschen. Täglich feierte man gemeinsam einen Gottesdienst, nahm an einer Andacht oder am Kreuzweg teil. Den Pilgern standen aber auch die internationalen Messen und täglichen Prozessionen offen. In der freien Zeit war es den Wallfahrtsteilnehmern kaum möglich, in einer Straße ohne Souvenirladen zu spazieren. Von leuchtenden Plastikmadonnen und glitzernden Rosenkränzen bis zu Schlüsselanhängern mit der betenden Bernadette ist dort alles zu haben. Nicht solchen Kitsch, sondern ein ganz persönliches Andenken werden die freiwilligen Pflegerinnen und Pfleger mit nach Hause bringen: Die Kranken und Behinderten im Hospiz schenkten jedem als Dank eine selbstgemachte Urkunde mit ganz persönlichem Bibelzitat. Eine Betreuerin: „Das ist eines der schönsten Geschenke, das ich je bekommen habe.“
"Alle Sorgen in Lourdes gelassen"
Über Menschen, die zur Wallfahrt kommen
Geschichten aus Lourdes: Eine Frau, die nach einer Fehldiagnose im Rollstuhl sitzt. Eine Bankangestellte als Krankenpflegerin. Ein 94jähriger, der einfach durchbrennt.
Verzweifelt und erschöpft kam sie zum ersten Mal nach Lourdes, 21 Jahre alt und auf den Rollstuhl angewiesen – die Folge einer Fehldiagnose der Ärzte. Ein paar Tage später fuhr sie wieder nach Hause. „Ich habe mich auf einmal so frei gefühlt, so, als ob ich alle Sorgen in Lourdes gelassen hätte.“ Das ist jetzt Jahrzehnte her. Seit damals kommt Margarethe Schöllbauer regelmäßig in die Pilgerstadt. Im modernen Hospiz wird sie von ehrenamtlichen Pflegern vorbildlich betreut. Mit ihrem Schicksal hadert die Hausruckviertlerin nicht. Sie nimmt es an, wie es ist. „Ich komme nach Lourdes, um den Glauben zu stärken“, sagt Schöllbauer. „An Heilung habe ich noch nie gedacht.“Lourdes ist nicht nur ein Ort, wo Kranke Kraft tanken. Es ist auch Ort der engagierten Helfer.
17 Stunden im Einsatz
Wenn die Bankangestellte Ingeburg Wenzl nach Lourdes kommt, tauscht sie den Blazer gegen die Schwesterntracht. Für die Wallfahrt nimmt sie eigens Urlaub und betreut Kranke und Behinderte im Hospiz. Um halb sechs in der Früh steht die Steyreggerin auf. Abends kann es schon halb elf werden, bis die ganze Arbeit erledigt ist. Dazu gehört nicht nur waschen oder anziehen: „Ich höre diesen Menschen auch zu und bin ihr Begleiter“, sagt Wenzl. Sie ist fasziniert, wie sich die Kranken gegenseitig stärken: „Zwar werfen sie durch die Wallfahrt nicht den Stock weg, aber sie nehmen sich selbst besser an.“ Durch ihre Aufgabe fühlt sich Wenzl beschenkt: „Dieser Urlaub ist für mich der größte.“Im freiwilligen Dauereinsatz ist auch Paul Krassay aus Luftenberg. Seit 1991 trägt er die Gesamtverantwortung für die zwei jährlichen Wallfahrten des Marianischen Lourdes-Komitees. Er begleitet nicht nur jede Fahrt persönlich, sondern opfert freie Abende und Wochenenden für die Organisation. Krassay: „Daß 450 angemeldete Leute auch tatsächlich im Flugzeug sitzen und samt Gepäck sicher ankommen, grenzt schon an ein Wunder.“
94jähriger allein unterwegs
Lourdes schreibt auch kuriose Geschichten, etwa jene von Karl Zeitlhofer. Nun denkt vielleicht so mancher, daß eine Wallfahrt für einen 94jährigen ein lange geplantes und mit der Familie besprochenes Großprojekt ist. Nicht so der greise, aber rüstige Zeitlhofer. Der Waldviertler schrieb seiner Familie nur einen Zettel: „Bin von 5. bis 10. Mai nicht da. Macht euch keine Sorgen.“
Fakten zur Wallfahrt
Rund fünf Millionen Menschen pilgern jedes Jahr in das südfranzösische Städtchen Lourdes (17.000 Einwohner). Das Marianische Lourdes-Komitee organisiert seit 1911 zwei Wallfahrten im Jahr. Für die nächste Fahrt vom 14. bis 19. Juli sind noch Plätze frei. Flug, Unterkunft und Verpflegung werden organisiert. Anmeldung bei Paul Krassay unter Tel.Nr. 07237/3804.