Seit über 15 Jahren sind Edith Lanzl und Anna Karner die Spitzen der Soforthilfegruppe der Pfarre Thalheim. Sie erhielten den KIZ-Solidaritätspreis.
Wenn in der Gegend Notfälle bekannt werden, weiß man, an wen man sich wenden muß: an Edith Lanzl und Anna Karner. Ob es am Geld fehlt, den dringend notwendigen Zahnersatz zu zahlen oder ein paar Möbel für eine bescheidene Wohnung zu erhalten, die beiden Frauen wissen zu helfen und sind sehr rege, das dafür notwendige Geld oder auch Mobiliar aufzutreiben. Die Palette der Hilfsleistungen ist umfangreich. Da brauchen welche einen Kredit, um einen plötzlichen Engpaß zu überbrücken, andere sind auf nicht rückzuerstattende Hilfe angewiesen, weil es ihnen auf lange Sicht einfach am Nötigsten fehlt. Wenn Heizen zum unbezahlbaren „Luxus“ wird, wenn Mietenrückstände Delogierungen befürchten lassen oder wenn Mitte des Monats das Geld schon nicht mehr reicht, um den Unterhalt zu finanzieren, bietet die Soforthilfegruppe ihre Dienste an. Die Gruppe nimmt auf äußerst engagierte Weise die Aufgaben einer Pfarrcaritas war. Dabei hat sie ihre Ursprünge eigentlich außerhalb der Pfarre, wenngleich es Berührungspunkte gab.Begonnen hat es damit, daß die Pfarre eine kambodschanische Flüchtlingsfamilie aufnahm. „Da wurden wir aufmerksam, daß es in Thalheim auch viele andere arme ausländische Familien gab“, erzählt Anna Karner. Mehrere Frauen taten sich zusammen und sammelten für all diese Menschen, wie z. B. Kleidung und Möbel. Aus den sich daraus ergebenden Kontakten resultierten dann Begleitdienste zum Arzt, zu Behörden, Ämtern oder Nachhilfestunden. Und selbstverständlich hat sich das Hilfsangebot ganz schnell auch auf die Inländer ausgeweitet.Aus dem Kreis dieser aktiven Frauen bildete sich im Laufe der Zeit die Soforthilfegruppe. Als dann die Diözesancaritas einen Impuls setzte, um die Pfarrcaritasarbeit zu intensivieren, gliederte sich die Gruppe in die Pfarre ein, behielt aber den Namen.
Männer sind Stützen
Etwa 20 Personen, davon gehören ca. 7 zum engen Kreis, arbeiten in dieser Soforthilfegruppe mit. Geleitet wird sie seit Anfang an von Edith Lanzl, einer Mutter von 4 Kindern, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Friseurkette führt. Auch Anna Karner, gemeinsam mit Lanzl der Motor des Ganzen, ist verheiratet, Hausfrau und hat 3 Söhne.Eine wichtige Stütze sind den beiden die Männer. Sowohl die eigenen wie auch die Männer der anderen Frauen. Sie helfen ganz selbstverständlich mit, wenn Möbel zu transportieren oder handwerkliche Sachen zu erledigen sind. Die Finanzquellen der Gruppe sind Standlmärkte, die alljährlich zum Erntedank und am 1. Adventsonntag veranstaltet werden, sowie das Geld aus der pfarrlichen Nikolausaktion. In all den Jahren ist die Soforthilfegruppe in Thalheim zu einer Institution geworden. Selbst die Gemeinde wendet sich an sie, wenn sie rasch und unbürokratisch Geld braucht, um jemandem eine Delogierung zu ersparen.Die Gruppe borgt in besonderen Situationen nämlich auch Geld. In den allermeisten Fällen wird es wieder rückerstattet, ab und zu passiert es natürlich schon, daß jemand nicht zurückzahlt, berichten Lanzl und Karner. Aber das ist ein einkalkuliertes Risiko. Von Anfang an hatten sie ein offenes Auge und eine offene Hand für in Not geratene Menschen in aller Welt. Ob Thailand, Rumänien, Albanien, Bosnien, Kroatien, Brasilien, Tschernobyl, Moldawien, geholfen wird mittels Einnahmen aus eigens gestarteten Aktionen wie Sammlungen, Bausteinaktionen oder Lebensmittelpakete-Verkauf.Den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung, der Edith Lanzl und Anna Karner im Vorjahr verliehen wurde, haben sich die beiden – gemeinsam mit den Mitarbeiter/innen – mehr als verdient.
Armut nimmt zu
Mit dem Nachwuchs für die Soforthilfegruppe schaut es derzeit nicht gerade rosig aus. „Die jungen Frauen sind berufstätig und haben heute nicht mehr so viel Zeit“, bedauert Edith Lanzl, die vor der zunehmenden Armut fast schon resigniert. „Zur Zeit haben wir vor allem die ‘Laufkundschaft’ zu betreuen – das sind die vielen Leute, die auf der Straße sind, die Obdachlosen“, sagt Lanzl. Die werden jedes Jahr mehr – und immer jünger. Sie kommen vor allem von Wels. Als sie vor über 15 Jahren mit ihrem Engagement begonnen haben, war alles überschaubarer, heute sind viel mehr Personen als damals bedürftig, registrieren die beiden die materielle, aber auch die seelische Not. Eine Erkenntnis ist für Edith Lanzl schlimm: „Es gibt Menschen, die haben in unserem System scheinbar keinen Platz mehr!“ Um so wichtiger ist es, daß es in möglichst vielen Pfarren möglichst viele Lanzls und Karners gibt.