Meine Mutter meint es sicher gut, wenn sie täglich anruft und mir immer wieder helfen will. Natürlich bin ich auch manchmal froh darum, aber oft fühle ich mich fast erdrückt. Ich möchte meine Mutter nicht kränken, aber ich brauche meine Freiheit. Was kann ich tun?
Diese Frage begegnet mir in verschiedenen Abwandlungen öfters in der Beratung. Erwachsene Kinder müssen ihre Bindung zu den Eltern lösen. Manchmal passiert dies durch eine lange Kette von Konflikten und Auseinandersetzungen, oft auch recht dramatisch, wo dann langes Beleidigtsein, ja Feindschaft folgen. Die Lösung wird zwar durchge-zogen, aber wohl ist keinem dabei. Zorn, Schuldgefühle, Rache ... und ähnliche negative Gefühle kommen nur allzugern hoch, es ist wie ein Steckenbleiben im Trotzalter, das nicht enden will. Aber auch eine sehr liebevolle Beziehung kann festhaltend bzw. einengend sein. Sich da zu behaupten ist deshalb schwierig, weil es keinen Grund zur Klage gibt. Es bewährt sich, wenn die erwachsenen Kinder möglichst auf eigenen Beinen stehen, ihre Angelegenheiten selber regeln und auch nicht allzusehr sich den Eltern verpflichtet fühlen brauchen, z. B. wegen materieller Zuwendungen. Eltern würde ich nahelegen, sich mehr ihrem eigenen Leben zuzuwenden und sich nicht zu sehr auf Kinder und Enkelkinder zu konzentrieren, auch wenn man sie noch so gern hat (Ich bin selber fünffache Großmutter!).