Der bosnische Autor Dzevad Karahasan, zur Zeit Stadtschreiber von Graz, schlägt mit seiner Literatur Brücken zwischen Ost und West und wird somit zum Vermittler zweier Kulturen.
Mit seinem Essay „Tagebuch der Aussiedlung“ (Wieser Verlag 1993) vergegenwärtigt Dzevad Karahasan das frühere Leben in Sarajewo, der Stadt, die seit Anbeginn ihrer Gründung ein friedliches Zusammenleben verschiedener Volksgruppen und Religionen auf engstem Raum ermöglichte, und er schildert die Zerstörung durch den Krieg.Dieses „bosnische“ Kultursystem“, in dem jeder jeden respektierte, ist für ihn auch heute das Modell für einen anhaltenden Frieden auf dem Balkan. Seine Romane „Der östliche Diwan“ (Wieser Verlag 1993) und „Scharijars Ring“ (Rowolt Verlag 1997) sind gleichermaßen Auseinandersetzungen mit den Themen Macht und Gewalt, wobei der Autor gekonnt mit den arabischen Erzähltraditionen arbeitet, die literarische Gattung des „Diwans“, einer kunstvoll gefügten Textsammlung, wieder erstehen läßt und geschickt mit Themen der Gegenwart verknüpft.Sarajewo hat den Autor gelehrt, daß man einen Menschen nur lieben kann, wenn man ihn auch wahrnimmt. In seinen Romanen kommt er den Menschen ganz nahe, er zeigt sie in ihrer Verstrickung von Schuld und Schicksal und stellt sie in ihren Rollen als Opfer und Täter dar. Karahasan kleidet brisante und aktuelle Themen in eine Sprache, die verzaubert, die an „Tausendundeine Nacht“ anknüpft und von einer zeitlosen Schönheit ist, ohne zu beschönigen.