Wundersäfte, Energieumverteilung, Heilen mit Steinen, Düften und Farben und andere Therapiegläubigkeiten, diverse Schlankheitsmittel, obskure Abwehrkulte und Phasenabhängigkeiten, kosmische Einflüsse und, und, und – wenn man darüber etwas wissen wollte, Gabi wußte über so gut wie alles Bescheid. Jeden Vortrag, jedes Seminar hat sie besucht, alles zu dem Thema verschlungen, was unter dem breiten Begriff Gesundheit und Wohlbefinden kursiert. Erste Zweifel kamen, als sie immer mehr Widersprüchlichkeiten entdeckte. Jede/r hatte seine eigene Lebensphilosophie und angeblich die ganze Wahrheit. „Warum gibt es überhaupt noch Probleme auf der Welt, wenn es so viele todsichere Mittel dagegen gibt?“, fragte sich Gabi eines Tages. Zudem ging das Ganze sehr ins Geld. Immer mehr merkte sie auch, daß neue Abhängigkeiten genau jenen Streß brachten, den sie immer vermeiden wollte. Die neue Gabi hat sich nun eine andere Strategie zurechtgelegt: Sie nimmt sich überall das heraus, von dem sie spürt, daß es allen in der Familie guttut. Es ist nichts Spektakuläres: Bewegung in frischer Luft, viel lüften, ausgewogene Ernährung mit möglichst naturbelassenen Lebensmitteln, von allem etwas, und nicht zuviel, viel trinken, am besten Wasser oder Tee, ausreichend Schlaf und eine gesunde Wohnumgebung, bei Krankheit Hausmittel, aber nicht um jeden Preis. – Na, eben all das, was wir schon immer gewußt haben! Seit sich Gabi nicht mehr verrückt machen läßt und den ganzen Stoß Unterlagen entsorgt hat, geht es ihr und der ganzen Familie wieder viel besser.