Der Katholische Familenverband spricht sich für staatliche Unterstützung beider Lebensentwürfe aus: Bei der Familie zuhause bleiben oder Familie und Beruf miteinander zu verbinden!
Ausgabe: 1999/21, Familie, KFV
25.05.1999
- Ernst Gansinger
Familie ist ein Thema, das sich kaum ein Politiker entgehen läßt. Und doch sind die Entwürfe ziemlich unterschiedlich: Familie ist eines der wenigen ideologischen Themen unserer Tage.
Wir sind für die Wahlfreiheit und sagen nicht: Entweder Kinder oder Karriere, sondern sprechen uns deutlich für ein Nebeneinander beider Lebensentwürfe aus“. – Dies ist eine der Kernaussagen, die der Kathjolische Familienverband der Diözese Linz anläßlich seines 45jährigen Bestandsjubiläums traf. Und damit bezog er in einem Disput deutlich Position, der derzeit für politische Spannungen sorgt: Sollte unabhängig von einem vorausgegangenen Berufseinkommen (und damit von einer Versicherungszahlung) die Kinderbetreuung staatlich gestützt werden? Ja, sagt die katholische Familienorganisation. Nein, sagen ArbeitnehmerInteressensvertretungsorganisationen und die Frauenministerin.
„Familie“ braucht mehr öffentliche Gelder
Der Staat sei verpflichtet, die materiellen Grundlagen für beide Modelle zu sichern, setzt der Katholische Familienverband nach. Der Kath. Familienverband beklagt, daß öffentliche Gelder erst dann fließen, wenn Kinder von Fremden betreut werden. Wenn die Kindererziehung wie die Pflege von Angehörigen „im Haus“ geschieht, gibt’s wenig Geld. Seine Kritik am Zeitgeist bündelt der Vorsitzende des Familienverbandes, Dr. Karl Strasser, in einem plakativen Satz: „Wir schließen uns nicht der Meinung der Ökonomen an, daß das Herstellen von Gütern, das Mästen von Schweinen oder das Kehren von Straßen mehr wert ist, ist das Großziehen von Kindern, das Schenken von sozialer Wärme.“ Darum nennt der Katholische Familienverband die derzeit in Diskussion stehenden materiellen Vergütungen wie „Familienbetreuungsscheck“, „Erziehungsgeld“ oder „Karenzgeld für alle“ als richtige Schritte. Dazu kommt die Forderung nach pensionsbegründender Anrechnung der Jahre für die Kindererziehung oder Altenbetreuung.
Familienorientierungder Arbeitswelt
Der Kath. Familienverband hat auch eine Utopie: Eine wissenschaftliche Untersuchung ist in Ausarbeitung, die den Nachweis erbringen soll, daß es sich für Betriebe auch betriebswirtschaftlich lohnt, ihre Arbeitsbedingungen an den Bedürfnissen der Familien zu orientieren. Derzeit ist all zu oft die Familie gezwungen, sich an der Arbeitswelt zu orientieren. Unserer Gesellschaft fehlt die Anerkennung des Wertes der Familie. Es gilt aber auch:Familienpolitik ist keineswegs nur eine Frage des Geldes . Alle politischen Bereiche haben ihren Beitrag zu leisten.
Forderungen für die Familie
Der Kath. Familienverband unserer Diözese stellt das Karenzgeldmodell des Katholischen Familienverbandes der Steiermark zur Diskussion. Dieses sieht (vereinfacht) vor, daß allen jungen Eltern zwei Jahre lang ein Karenzgeld von monatlich S 6.000,– auszuzahlen ist. Die Mittel dafür (10,8 Milliarden Schilling) sind im Familienlastenausgleich vorhanden. Erwerbstätige sollten darüber hinaus ein zusätzliches Karenzgeld (ein Jahr lang zwischen S 2.000,– und S 5.000,–) aus der Arbeitslosenversicherung erhalten, in die sie ja Beiträge gezahlt haben. Aus diesem Titel wäre das eine Gesamtleistung von etwa 2,5 Milliarden Schilling.
Geschichte
Der Katholische Familienverband unserer Diözese wurde 1954 gegründet. Auf seine Initiativen geht u. a. die Errichtung des Landesverbandes der Elternvereine an den Schulen zurück. Ebenfalls waren der Familienbeirat des Landes OÖ und die Familien-Erholungswochen eine Anregung des Familienverbandes.