Interview mit Dr. Michael Landau, Caritasdirektor in Wien
Ausgabe: 1999/21, Landau, Flüchtlinge
25.05.1999
Mit Kardinal Schönborn haben Sie an die Bundesregierung appelliert, mehr Kosovo-Flüchtlinge aufzunehmen. Wie stehen die Dinge?
Landau. Innenminister Schlögl hat in einem Telefonat Kardinal Schönborn zugesagt, daß auch Flüchtlinge aus Albanien und Montenegro, die Verwandte in Österreich haben, aufgenommen werden können. Es wurde vereinbart, daß Caritas und UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) dem Innenministerium eine entsprechende Liste übergeben. Diese liegt bereits mit bisher 2000 Namen im Innenministerium. Ich warte noch immer darauf, daß der Minister Wort hält und rasch handelt.
Bisher gibt es aber noch keine Zusage, keine Transporte und keine Anweisungen an die zuständigen Botschaften.
Landau. Ich halte es für unerträglich, daß in Mazedonien, Albanien und Montenegro Hunderttausende Flüchtlinge unter unvorstellbaren Bedingungen – teilweise buchstäblich im Dreck – leben müssen, während in Österreich Hunderte Quartiere leerstehen. Ich halte es für skandalös, wie die Verantwortlichen mit der Hilfsbereitschaft der Österreicher umgehen. Allein in Wien haben wir nach einem ersten Aufruf für 1000 Leute geprüfte Quartiere angeboten bekommen. Diese couragierte Hilfsbereitschaft wird nicht genutzt, weil die Politik sich auf eine Quote versteift, die festgelegt wurde, als die Massenvertreibungen erst begonnen haben. Damit untergräbt der Staat die Hilfsbereitschaft seiner Bürger/innen.