Trotz Aufenthaltserlaubnis darf Herr Cahani nicht nach Österreich zurück
Ausgabe: 1999/21, Cahani, Familie, Einzelfall
25.05.1999
- Walter Achleitner
Kurz nach dem Radiobericht über das Schicksal eines in Oberösterreich lebenden Kosovo-Albaners hieß es im Außenministerium: Der Fall ist gelöst. Das jedoch nur, wenn Herr Cahani Frau und Kinder im Flüchtlingslager zurückläßt.
Für Cahani Shemedin war der 24. März ein Urlaubstag. Und der als Bäcker in Aschach an der Donau lebende 35jährige Albaner war gerade zu Besuch bei seiner Familie im Kosovo, als die ersten Nato-Bomben auf Jugoslawien fielen. Das Schicksal Hunderttausender Flüchtlinge ereilte auch diese Familie: Auf dem Weg nach Albanien wurden ihnen alle Dokumente abgenommen. Damit verlor Herr Cahani den Nachweis über seine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in Österreich . Seit Wochen lebt nun Shemedin Cahani mit Frau und den drei Kindern, der Mutter und einem Neffen im „Schwimmbad“, einem der größten Flüchtlingslager in Tirana. Und der Gastarbeiter versucht an seinen Arbeitsplatz in Österreich zurückzukehren – bisher ergebnislos. Trotz tagelanger Bemühungen, in der österreichischen Botschaft in Tirana vorgelassen zu werden, blieben für ihn – ohne gültigen Reisepaß – die Türen verschlossen.
Angeblich positiv erledigt
„Um zu helfen, habe ich alle Unterlagen nach Tirana gefaxt“ berichtet Adolf Einfalt, Bäckermeister in Aschach. „Doch ich habe nie eine Antwort erhalten. „Erst ein Bericht am 12. Mai im Ö1-Morgenjournal machte österreichweit auf das Schicksal von Cahani Shemedin aufmerksam. Bereits vier Stunden später hieß es im Mittagsjournal: es handle sich um einen besonders harten Einzelfall, das Außenministerium habe den Fall bereits positiv erledigen können.
Weisung aus Wien
„Ich weiß noch nichts darüber, wann und wie Herr Cahani kommen wird“, sagt sein Chef Adolf Einfalt eine Woche nach der ORF-Erfolgsmeldung gegenüber der Kirchenzeitung. Und auch im Außenministerium kann man sich zu diesem Zeitpunkt noch genau an den Fall Cahani erinnern. „Es hat sich dann sogar herausgestellt, daß der Mann eine Kopie des jugoslawischen Reisepasses bei sich hatte.“ Warum der Mann noch nicht nach Österreich zurückkehren konnte, kann jedoch auch hier niemand beantworten. Erst ein Anruf in der Botschaft in Tirana klärt die Lage. Generalkonsul Rapp zur Kirchenzeitung: „Wir haben aus Wien noch keine Weisung erhalten. Erkundigen Sie sich dort, warum der Mann nicht nach Österreich zurück darf.“ Damit konfrontiert, zeigte sich der Zuständige im Wiener Außenamt sprachlos: „Jetzt bin ich überrascht!“ Doch selbst um Aufklärung bemüht, hieß es wenig später: „In der Tat, das Innenministerium hat noch keine Weisung erteilt. Herr Cahani möchte auch seine Familie nach Österreich mitnehmen.“
Familie zurücklassen
Um trotz gültiger Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in die Backstube in Aschach zurückkehren zu können – „unter Zuhilfenahme diplomatischer Klimmzüge“ – , müßte Shemedin Cahani seine Familie im „Schwimmbad“ von Tirana zurücklassen. Denn an eine Ausreise der ganzen Familie aus Albanien ist derzeit nicht zu denken: Das Innenministerium erteilt keine Einreiseerlaubnis, und die Transportkosten sind zu hoch. Die siebenköpfige Familie könnte nur per Flugzeug über Slowenien einreisen. Gesamtkosten: 49.140 Schilling. Für den Bäcker Adolf Einfalt eine schwierige Situation. „Ein Monat kann ich noch zuwarten, aber eigentlich brauche ich den fleißigen und guten Mitarbeiter schon ganz dringend. Lange drängen und lästig sein, ist ein Weg, um bei einer Behörde etwas zu erwirken. Aber damit kann man auch das Gegenteil erreichen.“