Menschen auf der ganzen Erde feiern zu bestimmten Zeiten ihre Feste. Die Art und Weise des Feierns mag unterschiedlich sein, gemeinsam ist jedoch das Abgehobensein vom Alltag.
Fest-/Feiertage bieten dem Menschen die Chance, für eine bestimmte Zeit innezuhalten, zurück- oder vorauszuschauen, die Alltagsroutine zu durchbrechen. Kinder lieben diese Unterbrechungen in besonderer Weise. Sie lieben es zu feiern. Zugleich haben sie aber auch das Bedürfnis nach einer Ordnung des Außerordentlichen. Durch die regelmäßige Wiederholung bestimmter Feste mit ihren gleichbleibenden Abläufen erhält ihr Leben einen Rhythmus. Immer wiederkehrende Feste werden für Kinder zu einem zuverlässigen und prägenden Bestandteil ihres Lebens. So bieten die Feste des Kirchenjahres nach wie vor eine große Chance, im Leben der Kinder Gottes Nähe und Liebe aufleuchten zu lassen.
Feste in der Familie
Ein Fest in der Familie zu feiern, umfaßt mehr als nur den eigentlichen Festtag. Wir können zwischen mehreren Phasen unterscheiden: - Schon lange vor dem eigentlichen Festtag setzt bei Kindern die Vorfreude auf das Fest ein. Durch die jährliche Wiederholung des Festes weiß/ahnt das Kind bereits, was auf einen zukommt. Auch seitens der Umwelt wird das Kind in eine erwartungsvolle Stimmung versetzt. Das Kind kann und darf sich freuen.- Mit der Vorbereitungszeit beginnt für das Kind eine aktive Phase. Zunächst einmal werden die Eltern versuchen, gemeinsam mit ihrem Kind den Sinn des Festes zu erschließen. Wie das geschieht, ist vom Alter des Kindes abhängig. So kann zur Hinführung eines dreijährigen Kindes auf Weihnachten ein Bilderbuch passend sein, während für ältere Kinder eine (Kinder-)Bibel entsprechend sein kann. Was es aber immer im Gespräch mit dem/n Kind/ern zu klären gibt, ist: Was ist der Inhalt des Festes? Was feiern wir? Und vor allem: Was hat dieses Fest mit meinem Leben zu tun? Eltern dürfen sich auch nicht der Illusion hingeben, daß mit einem einmaligen Gespräch die Sinnerschließung endgültig gelungen ist. Kinder sind Philosophen, heißt es. Gehörtes, Gelesenes, Zur-Sprache-Gebrachtes beschäftigt sie. Die Kinder werden mit Fragen kommen, Zweifel werden auftauchen, sie werden neue Zusammenhänge entdecken, eigene Deutungen finden usw. Und gerade dann sind die Eltern notwendig. Nicht damit sie auf alle Fragen eine Antwort haben und alle Zweifel ausräumen. Nicht Super-Eltern sind gefragt, sondern solche, die sich gemeinsam mit ihrem/n Kind/ern auf den Glauben, auf Gott einlassen. Eltern und Kinder können auf diese Weise voneinander lernen. Sie sind gemeinsam unterwegs. Aber auch die bei allen Kindern vorhandene Kreativität und Phantasie sollen in der Vorbereitungsphase gefordert werden: Wie gestalten wir den Festschmuck, in welcher Form die verschiedenen Festelemente? Welche Lieder möchten wir singen? Je mehr Sinne der Feiernden angesprochen werden, umso eher wird das Fest für alle zum Erlebnis.
Ein überschaubares Festprogramm zu erstellen, ist immer von Vorteil. Schön ist es, wenn jeder Teilnehmer einen Beitrag leistet. - Der Festtag selbst ist der Höhepunkt. Im gemeinsamen Feiern (Beten, Singen, Tanzen, Spielen . . . und Essen) drücken die Festteilnehmer ihre Freude, ihren Dank und ihre Lebenslust aus. Die Fülle des Lebens wird somit im Miteinander erfahrbar. - Auch der Festausklang hat seine Bedeutung. Er bietet dem Kind die Möglichkeit, die gewonnenen Eindrücke zu vertiefen. Das Feiern von Festen ist immer etwas sehr persönlich Gefärbtes. Daher will ich keine „Patentrezepte“ geben, sondern ermutigen, nach eigenen Formen des Feierns zu suchen. Denn ich bin überzeugt, daß das Feiern von Festen – sowohl profaner als auch religiöser – zu einem gelungenen Menschsein dazugehört: Wir feiern Feste, weil wir gerne leben, weil wir geliebt werden und lieben wollen und das auch zum Ausdruck bringen möchten. Aber es ist auch so, daß uns gelungene Feste in guter Erinnerung bleiben. So können wir auch in schweren Zeiten zum Leben ja sagen.
ICH habe Geburtstag
Voller Sehnsucht erwartet jedes Kind seinen Geburtstag. Daß es dann endlich soweit ist, verraten Geburtstagskuchen, Geschenke, Gäste. Durch das gemeinsame Feiern erfährt das Kind viele Beweise der Zuneigung: Ich werde besucht; ich werde beschenkt; ich werde gefeiert. Es ist mein Fest. Vor allem aber bin ich jemand, den die anderen mögen! Ich bin wichtig auch für andere! Was aber haben Gedanken zum Geburtstagsfest mit christlichen Festen zu tun, von denen hier die Rede ist?Mehr als man wahrscheinlich vermutet: Denn Glaube fängt da an, wo Menschen sich angenommen wissen, wo sie Vertrauen erfahren und Zutrauen entwickeln können. Und gerade das geschieht beim Feiern von Geburtstagen: Kinder wissen sich bejaht, bejaht von ihren Eltern, von Verwandten und Freunden. So wie du bist, mögen wir dich – samt deiner Stärken und Schwächen! Das Wissen um diese Zusage erleichtert es dem Kind, auch selbst zu sich ja zu sagen. Wenn ein Kind also erfahren hat, daß es von anderen um seiner selbst willen ge-liebt wird und es auch selbst zu sich ja sagen kann, dann kann es vielleicht auch erahnen, daß das bedingungslose Ja Gottes zu uns Menschen Wirklichkeit ist.