Riten und Rituale sind so etwas wie der Pulsschlag der Religion. Es gibt aber auch Rituale, die wie ein zerstörerischer Bazillus sind und – wie die heuer vielverbreitete Monila – aus dem Baum (der Kirche) die Säfte ziehen und die Früchte verkümmern lassen. Ein „Ritual“ neueren Datums sind die Wortmeldungen von Bischof Kurt Krenn, bei denen er regelmäßig vor wichtigen kirchlichen Ereignissen oder Entscheidungsvorgängen seine Linie medial kundtut. So etwa ließ er vor der Frühjahrskonferenz der Bischöfe wissen, daß ihm das Wort „Dialog“ stinke. Auf die vielfache Beteuerung seiner Amtsbrüder, der Dialog gehe weiter, konterte er vor der Bischofskonferenz vor einer Woche: „So geht das sicher nicht weiter. Diese ständigen Beteuerungen sind Durchhalteparolen ohne echte Grundlage.“ Während viele Bischöfe dafür eintreten, das „wertvolle Kapital der Salzburger Dialogversammlung nicht zu verspielen“, und dazu einladen, trotz unterschiedlicher Standpunkte in manchen Fragen weiter nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, fordert Krenn die „absolute Übereinstimmung des Dialogs mit der Lehre der Kirche“. Zu allem anderen sage er nein. Er tut so, als ob der Dialog Glaubenswahrheiten in Frage gestellt hätte. Das aber ist nicht der Fall. Wahr ist, daß die Dialogversammlung in einigen Fragen der Moral und der Kirchendisziplin Wünsche nach einer Weiterentwicklung geäußert hat. Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Das aber erfordert umso mehr der Klärung im geduldigen Dialog. Öffentliches Rambogehabe aber zerstört nicht nur die Dialogbasis, es läßt auch die Zweige der Hoffung am Baum der Kirche verdorren.