Wenn die Sonne am höchsten steht und die Tage am längsten sind, dann blüht an Wegrändern, in Gebüschen und auf trockenen Gras-flächen das Johanniskraut.
Kurz nach der Sommersonnenwende, feiert die Kirche am 24. Juni das Geburtsfest des hl. Johannes des Täufers. Genau sechs Monate vor der Geburt Christi ist der Festtag eines der gebräuchlichsten Namenspatrone unserer Gegend. Im Lauf der Kirchengeschichte wurde bereits 75 Mal ein Johannes heiliggesprochen. Der „Vorläufer Jesu“, der in der Wüste lebte und auf das Kommen des Messias verwies, ist auch Namensgeber des Johanniskrauts. Mit anderen Namen wird das Johanniskraut als Blutkraut, Jageteufel, Hexenkraut oder Johannisblut bezeichnet. Die außerhalb der Blüte eher unscheinbare Pflanze mit „punktierten“ Blättern schmücken in der zweiten Junihälfte leuchtend gelbe Blüten, deren Heilkraft schon bekannt war noch lange bevor Johannes der Täufer lebte. Bereits der Grieche Hippokrates, der berühmteste Arzt der Antike, schätzte die Heilkraft des Johanniskrauts ohne zu wissen, daß sie vor allem vom roten Farbstoff Hypericin ausgeht. Dieser tritt besonders beim „Johanniskraut-Öl“ zutage, dessen Anwendung vom Sonnenbrand bis zur Kreislaufschwäche, von Verbennungen bis Rheuma reicht. Die gelben Blüten werden dazu in Olivenöl gegeben und solange dem Sonnenlicht ausgesetzt, bis die Flüssigkeit leuchtend rot wird. Der ausgepreßte Bodensatz ist dann das heilkräftige Johanniskraut-Öl.
Der große Arzt des Mittelalters, Paracelsus, schrieb dem von ihm besonders gelobten Johanniskraut nicht nur medizinische, sondern auch geistige Kräfte zu. Er schrieb ihm Kräfte für die sinnlich-sittliche Gesundheit des Menschen zu. Da möchte man meinen, daß der hl. Johannes nicht nur zufällig dem Kraut den Namen gab, weil es der Kalender so wollte. Denn auch dem Täufer am Jordan ging es um die sittliche Neuorientierung der Menschen seiner Zeit.