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Osttimor: Abstimmung muß frei und fair sein

Nur UN-Friedenstruppe kann weiteres Blutvergießen verhindern
Ausgabe: 1999/25, Osttimor
22.06.1999
- Walter Achleitner
Der Terror pro-indonesischer Milizen wächst, und ein Klima der Angst begleitet die Vorbereitung der für 8. August angesetzten Wahl über die Zukunft Osttimors.

Für die Bewohner von Metiaut grenzt es an ein Wunder, daß beim Überfall pro-indonesischer Milizen auf das Dorf niemand ums Leben gekommen ist. Denn als die rund 40 Schwerbewaffneten am Sonntag vor drei Wochen das kleine Dorf nahe der Hauptstadt Dili überfielen, konnten die Einwohner noch rechtzeitig in die Berge fliehen. Elf Häuser gingen in Flammen auf, sieben weitere wurden zerstört. Doch Metiaut ist eine Ausnahme. Denn auch nach der von UN-Generalsekretär Kofi Annan als „historischen Augenblick“ bezeichneten Unterzeichnung des Osttimor-Abkommens zwischen Indonesien und Portugal am 5. Mai nimmt das Morden kein Ende. Mehrere hundert Menschen wurden von den Milizen getötet, und „die Soldaten der indonesischen Streitkräfte sehen bei den Übergriffen zu“, wie ein UN-Mitarbeiter berichtet. „Osttimor ist ein Reich des Terrors“, beschreibt Carmel Budiardjo gegenüber der Kirchenzeitung die aktuelle Lage auf der seit 23 Jahren von Indonesien besetzten ehemaligen portugiesischen Kolonie.

Klima der Angst

„Todesschwadrone“ nennt Budiardjo die von der „indonesischen Armee ausgebildeten und mit Waffen ausgerüsteten Terroristen“. Ihr Ziel sei, so die Alternativ-Nobelpreisträgerin, die Bevölkerung einzuschüchtern und den für 8. August anberaumten Volksentscheid zugunsten Jakartas zu beeinflussen. Denn lehnt die Mehrheit der Osttimoresen den von der Regierung Habibie vorgelegten Autonomieplan ab, soll die 314.874 Quadratkilometer große Halbinsel ihre Selbständigkeit zurückerhalten.Für Carmel Budiardjo, die unter dem indonesischen Diktator Suharto drei Jahre ohne Verurteilung inhaftiert war und nach ihrer Ausweisung in London ein Netzwerk für Menschenrechte in Indonesien aufgebaut hat, ist es unvorstellbar, daß die indonesische Armee, die verantwortlich ist, daß in den vergangenen 23 Jahren rund 200.000 Osttimoresen getötet wurden, das Klima für ein freies und faires Referendum schaffen soll. Wenn auch seit 3. Juli die Flagge der Vereinten Nationen offiziell auf Osttimor weht, so können die rund 600 zivilen Polizisten der „Beistandsmission der Vereinten Nationen in Osttimor (UNAMET) nicht mehr, als den indonesischen Sicherheitskräften zur Seite stehen.

Hoffen auf die UNO

Menschenrechtsgruppen wie auch die Kirche haben deshalb mehrfach an Kofi Annan appelliert, eine Friedenstruppe zu entsenden, um ein weiteres Blutvergießen zu verhindern. Doch Carmel Budiardjo hofft auf noch weitreichendere Schritte des UN-Generalsekretärs: die Verschiebung der Volksabstimmung. Seit 13. Juni werden die Wählerlisten erstellt. Doch dazu müssen erst Tausende Flüchtlinge zurückkehren, die wegen der Auseinandersetzungen zwischen Integrations- und Unabhängigkeitsbefürwortern seit Jänner von Ost- nach Westtimor geflüchtet sind.


Interview

Die Kirche in Verruf bringen

Auf Osttimor ist es in jüngster Zeit zu Übergriffen auf Menschen gekommen, die in Kirchen Zuflucht gesucht haben. Was steckt dahinter?

Belo: Eine gewisse Gruppe ist über die institutionalisierte Kirche hier nicht glücklich. Sie beschuldigt die Kirche, für die Unabhängigkeitsbefürworter Partei zu ergreifen. Ihr ist die Kirche zu stark und zu einflußreich. Einige Führer haben dem Vatikan berichtet, daß besonders ich als Bischof mich in der Politik engagiere. In der Tat ergreift die Kirche für Menschen Partei, die unterdrückt, terrorisiert, eingeschüchtert und bedroht werden. Und dies passiert jenen aus dem Lager der Befürworter der Unabhängigkeit. Es scheint, derartige Übergriffe sollen die Menschen davon abhalten, in der Kirche Sicherheit zu suchen, folglich deren Autorität und Einfluß zu zerstören.

Reicht die Vorbereitungszeit bis zum 8. August?

Belo: Es reicht, um faire Erläuterungen zu Einzelheiten des Autonomiepaketes, seinen positiven und negativen Seiten, zu Risiken und Vorteilen der Unabhängigkeit zu geben. Das wichtigste ist: Wir sollten keine Angst haben. Die Menschen in Osttimor haben 23 Jahre lang gelernt, mit den Menschen aus Indonesien und der Regierung zu leben. Sie können sehr wohl entscheiden, ob sie eine Sonderautonomie akzeptieren oder sich als unabhängiger Staat lösen wollen. Es ist nicht meine Sache als Bischof zu sagen, was besser ist.

Interview: Wolfgang Rollik/UCAN
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