Linz-St. Paul: Pichling wurde vor 700 Jahren erstmals erwähnt
Ausgabe: 1999/25, Pichling, Linz-St. Paul
22.06.1999
- Walter Bachmayr
Nach der ersten urkundlichen Erwähnung vor 700 Jahren gehörten Teile von Linz-Pichling im Jahr 1299 zum Stift Kremsmünster.
Im Codex Fridericianus des Stiftes Kremsmünster ist eine 700 Jahre alte Eintragung vermerkt, die über Einkünfte der Konventkammer Kremsmünster „von Puhlhorn bei Epelsperch“ Auskunft gibt – „Puhlhorn“ war damals die Bezeichnung für Pichling.
In der Folgezeit wurde jedoch der Einfluß des Stiftes St. Florian immer größer, und so ist für die Besetzung der Pfarrexpositur St. Paul zu Pichling, deren Selbständigkeit 1941 mit der Errichtung zur Kaplanei begann, nach wie vor das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian zuständig.
Der Weg zu einer eigenen Kirche war ein langer. Von 1941 an wurde jeden ersten Sonntag im Monat in der Seebauernkapelle ein Gottesdienst gefeiert. 1966 wurde dann ein leerstehender Stall als provisorischer Gottesdienstraum eingerichtet. Und mit diesem Jahr erhielt Pichling auch einen eigenen Priester.
Drei Jahre später konnte dann der neue Gottesdienstraum im Pfarrsaal des in kurzer Zeit errichteten Pfarrzentrums geweiht werden. Da war St. Paul zu Pichling bereits Pfarrexpositur und somit die südlichste Pfarrgemeinde von Linz.
Denkwürdig ist auch das Jahr 1986: Damals beschloß eine Pfarrversammlung den Bau einer eigenen Kirche, die dann am 14. Oktober 1990 geweiht wurde.
Die Entwicklung der letzten Jahre hat Pichling stark verändert: zahlreiche Neubauten, neue Sportanlagen, die neue Kirche und vieles andere haben Pichling von einem Dorf am Stadtrand zu einem Stadtteil entwickelt. Damit, so PGR- (Pfarrgemeinderats-) Obmann Mag. Berthold Reiter, wächst aber die Gefahr, daß die Kommunikation unter der Bevölkerung immer mehr schwindet und die Anonymität zunimmt.
Noch ist es nicht soweit. „Wenn man nach Pichling kommt, da grüßt man sich“, freut sich Reiter, der selbst ein gebürtiger Pichlinger ist. Die Kommunikation fördert die Pfarre mit der sehr ansprechend gemachten Gemeindezeitung „St. Paul Aktuell“, in der z. B. auch die verschiedenen Vereine zu Wort kommen.
Das seelsorgliche Anliegen beschreibt Pfarrer Günther Türk, der zugleich Dechant des Dekanates Linz-Süd ist, in einer zum heurigen 700-Jahr-Jubiläum erschienen Festschrift. Demnach sollen „wir als Kirche mit den Menschen hier am Ort unterwegs bleiben, sie in ihren Sorgen und Ängsten ernstnehmen, ihnen die Frohe Botschaft des Evangeliums mit den Mitteln unserer Zeit nahebringen und so Orientierung und Wegweisung zu einem gelingenden und sinnvollen Leben anbieten.“
Wie sehr die Pfarrgemeinde zur Gemeinschaftsförderung beiträgt, zeigte sich beim Festabend im heurigen Frühjahr. Da waren die Vereine miteingebunden, und das Pfarrzentrum platzte aus allen Nähten, berichtet Reiter.
Dann kam allerdings für die Pfarrmitarbeiter/innen ein Schock: Pfarrer Türk erkrankte schwer und mußte ins Krankenhaus. Sie erlebten plötzlich, wie es ist, „auf eigenen Beinen“ stehen zu müssen. Vieles ist in Planung und Vorbereitung, z. B. das „Pfarrgemeindefest“ am 4. Juli, die im Herbst beginnende 10 Millionen Schilling teure Renovierung des Pfarrhofes und die bevorstehende Glaubenserneuerung.
„Da haben wir ein Zusammenrücken der Pfarrgemeinde verspürt“, freut sich der PGR-Obmann, der in dieser Zeit, bis der Pfarrer wieder genesen ist, eine Hauptansprechperson ist.
Eine enorme seelsorgliche Herausforderung wird die geplante „Solar-City“ bedeuten, weiß Gymnasialprofessor Berthold Reiter. Diese „Solar-City“ wird nämlich einen gewaltigen Bevölkerungszuwachs bringen.