Für Oberösterreicher/innen ist Kirche eine wichtige Adresse
Meinungsforschung stellt der Kirche in Oberösterreich gutes Zeugnis aus
Ausgabe: 1999/26, Zeugnis, Meinungsforschung, Kirche
29.06.1999
- Matthäus Fellinger
45 Prozent der Oberösterreicher/innen haben Kontakt mit einer katholischen Pfarre. Bei Journalisten hat Kirche besonders viel Vertrauen.
Fast jede/r zweit/e Oberösterreicher/in über 15 Jahre hat mit einer Pfarre Kontakt, weist eine neue Umfrage aus. Diese wurde im Zuge der Entwicklung eines Kommunikationskonzeptes für die Diözese Linz vom „market-Institut“ erstellt. Die zweithäufigste Kontaktnahme mit der Kirche erfolgt in Kirchenbeitragsangelegenheiten (42 %). Über die Gliederungen der Katholischen Aktion erreicht die Kirche 15 Prozent der Bevölkerung.
Der stärkste Kontakt mit der Kirche besteht in den Landpfarren (53 %). Am schwierigsten gestaltet sich die Situation in den Klein- und Mittelstädten. Dort haben die Leute deutlich weniger Kontakt mit den Pfarren (36 %) als in der Hauptstadt Linz (49 %).
Über karitative Einrichtungen kommen 11 Prozent, über die Pfarrcaritas-Kindergärten 10 Prozent mit Kirche in Kontakt.Von den Diensten, die die Kirche anbietet, stehen die speziellen kirchlichen Feiern wie Hochzeit, Taufe und Begräbnis an der Spitze (40 %). An den Gottesdiensten am Sonntag sowie zu den hohen Festen nehmen insgesamt 35 Prozent der Bevölkerung teil. Über das pfarrliche und kirchliche Leben informieren sich die Oberösterreicher/innen vor allem über das Pfarrblatt (42 %). 31 Prozent beziehen ihre Informationen aus dem Fernsehen, 22 Prozent aus dem Radio. 19 Prozent informieren sich über die Kirchenzeitung. Etwa 10 Prozent geben nichtkirchliche Zeitungen und Zeitschriften als Informationsquellen in Sachen Kirche an.
Das soziale Gesicht der Kirche
Die Oberösterreicher/innen erwarten sich von der Kirche offensichtlich Unterstützung für Lebenssituationen, in denen man selbst einmal Hilfe nötig haben könnte. Um Seniorenbetreuung und Besuchsdienste und Familienhilfe sollte sich Kirche noch mehr annehmen, sagen sie (36 %). Hilfe und Betreuung für Kranke erwarten sich von der Kirche 34 Prozent. Ein knappes Drittel meint, die Kirche soll noch mehr in der Kinder- und Jugendbetreuung tun.Der weitaus größere Teil der Oberösterreicher/innen sieht zwischen der Gesamtkirche in Österreich und der Diözese Linz keine Unterschiede. Allerdings: Je mehr Kontakt zur Kirche besteht, um so deutlicher werden auch Unterschiede wahrgenommen. Während nur 58 Prozent der regelmäßigen Gottesdienstteilnehmer keine Unterschiede feststellen, haben 82 Prozent derer, die keinen Kontakt mit der Kirche haben, ein einheitliches Bild von der Kirche in Oberösterreich.
Hohe Glaubwürdigkeit
Eine zeitgleich durchgeführte kircheneigene Umfrage unter oberösterreichischen Journalisten, die mit Kirchenthemen zu tun haben, ergab einen großen Vertrauensvorschuß für die Kirche. Für 26 von 32 befragten Journalisten hat die Kirche in Oberösterreich ein besseres Image als die Gesamtkirche, nur für sechs Journalisten besteht kein Unterschied. 30 von 32 Journalisten halten die Diözese Linz in ihrer Informationsarbeit für glaubwürdig und sachlich. Allerdings: Die Journalisten wünschen sich weniger Zurückhaltung der Kirche.
Erfreulich
„Für mich ist es sehr erfreulich, daß die Medien wirklich genützt werden, um sich über Kirche zu informieren“, interpretiert Generalvikar Mag. Josef Ahammer die Ergebnisse der Befragungen zum Thema Kirche. „Ich möchte daher meine Anerkennung aussprechen, daß die Kirchenzeitung im Land so sehr geschätzt wird, daß 20 Prozent praktisch sagen: Das ist meine Informationsquelle über Kirche“.
Über die Kirchenzeitung könnten Leser noch mehr befähigt werden, daß sie selbst zu Informanten über Kirche werden. Über die Medien insgesamt sollte es gelingen, das Positive, aber auch Fehler, direkt anzusprechen, spricht sich Ahammer für eine offene Informationslinie der Diözese aus.
Medien sind für den Generalvikar ein wichtiger Faktor für das Kirchenklima. Die Menschen sollten jedoch auch selbst dazu beitragen. „Wenn ein Kind oder Jugendlicher von einem Jungscharlager zurückkommt und sagt: ‘Da habe ich Kirche sympathisch erlebt’, dann ist das unersetzlich wertvoll“, meint der Generalvikar.