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Ab 1. Juli kostet die Messe 100 Schilling

Erste Erhöhung seit 1990. Zweistelliger Millionenbetrag für Weltkirche
Ausgabe: 1999/26, Messe, Meßstipendium
29.06.1999
- Walter Achleitner
Die österreichweite Erhöhung der Meßstipendien um 20 Schilling deckt die Inflation seit 1990 ab. Doch sind sie damit noch nicht „Euro-reif“.

Mit 1. Juli tritt in Österreich eine Preiserhöhung für Meßstipendien in Kraft. Die Bischöfe hatten bereits im März beschlossen, daß ab Donnerstag dieser Woche 100 Schilling für eine Messe zu entrichten sind anstatt wie bisher 80 S. Begründet wird die 25prozentige Preiserhöhung damit, daß zuletzt im April 1990 eine allgemeine Erhöhung der Stipendien beschlossen worden war. Die Inflation von April 1990 bis Mai 1999 beträgt nach Auskunft des Österreichischen Statistischen Zentralamtes 23,8 Prozent.Die Tradition des Meßstipendiums reicht in die Anfänge der christlichen Gemeinden zurück, als alle Mitglieder zur Feier der Eucharistie eine Opfergabe mitgebracht haben. Davon wurden Brot und Wein für das Mahl verwendet, alles andere war für die Armen und zum Unterhalt der Priester bestimmt. Erst später begann man, die Namen der Geber, aber auch der Lebenden und Verstorbenen zu nennen, für die sie dargebracht wurden. Damit sollte die Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht und sie ausdrücklich vor Gott vergegenwärtigt werden. Und bis heute wirkt das mittelalterliche germanische Rechtsdenken nach: Die Gabe (Stipendium) wird dem Priester gegeben, und dieser feiert eine Messe im Anliegen des Gebers unter Ausschluß anderer Intentionen.

Eine Intention pro Messe


„Auch heute darf pro Messe nur eine Intention gefeiert werden“, sagt Hermann Steidl, Ordinariatskanzler in Innsbruck. Doch der große Wunsch an Meßintentionen bei den Gläubigen und der Priestermangel führen zu nicht gefeierten (persolvierten) Intentionen. Darum werden sie in vielen Pfarren auf dem Gottesdienstaushang zusammengelegt und in der Messe erwähnt. Der Priester darf jedoch nur ein Stipendium für sich beanspruchen; die restlichen werden weitergegeben und an einem anderen Ort gefeiert.So sind in Tiroler Pfarren an die 1000 weitergeleitete Meßintentionen im Jahr keine Seltenheit. Ein Großteil davon wird über die Päpstlichen Missionswerke (Missio Austria) an Bischöfe in der „Dritten Welt“ weitergeleitet. „Sie garantieren, daß die Messen auch tatsächlich gefeiert werden“, sagt Christian Mazal, Generalsekretär von Missio, die 1998 Stipendien für 16,49 Millionen weitergeleitet haben. „Mit einem Großteil können wir Priestern in Afrika, Asien und Lateinamerika das Überleben im Alter sichern.“Doch die 100 Schilling werden nicht lange halten. Denn mit der Einführung des Euro am 1. Jänner 2002 würde die Messe 7,27 Euro kosten. Und die Rundungen nach oben – sogenannte versteckte Erhöhungen – sind zwischen Herbst 2001 und Juni 2002 nicht erlaubt.
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