Interview mit Walter Wimmer, Sprecher des Priesterrates der Diözese Linz
Ausgabe: 1999/26, Interview, Wimmer
29.06.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Welche Bedeutung haben die Meßstipendien heute?
Wimmer: Früher war das ein Beitrag des Volkes zum Erhalt der Kirche. Heute haben wir Priester zwar geregelte Einkommen, dennoch sind viele bereit, etwas zum Unterhalt der Kirche beizutragen. Damit darf aber nicht die Erwartung verbunden sein, daß sich jemand sozusagen ein Gnadengeschenk kaufen kann. In der Eucharistie hat Jesus sein Blut für uns und für alle vergossen. Durch die Meßintention darf diese nicht auf eine einzelne Person hin konzentriert oder gar ein heilsegoistisches Denken gefördert werden. Das Stipendium ist auch ein Beitrag für das, was zum Feiern des Gottesdienstes notwendig ist.
Was heißt es für Sie, die Messe in einer bestimmten Intention zu feiern?
Wimmer: Für mich entspricht das einem menschlichen Anliegen. Denn Zuwendung und Liebe sind sehr konkret und kein Allerweltsgedanke, so wie „seid umschlungen Millionen“. Darum dürfen wir in dieses Gedächtnis auch konkrete Menschen hereinnehmen und uns ihrer erinnern. Nicht nur wir beten für die Verstorbenen, sondern auch umgekehrt; die Heiligen beten für uns.
Was ist Ihnen bei der Annahme von Intentionen wichtig?
Wimmer: Daß die Gemeinde rechtzeitig weiß, wessen Person wir in der Messe gedenken. Und daß jene, die um eine Intention bitten, dann auch wirklich Zeit haben, den Gottesdienst mitzufeiern.