Wer einmal im Sommer den Süden Frankreichs bereiste, vergißt die weiten, blau blühenden Lavendelfelder nicht mehr. Der intensive Duft der Pflanze liegt über der Landschaft und setzt sich angenehm in der Nase fest.
Die Heimat des Lavendels ist der Mittelmeerraum, seit dem 16. Jahrhundert wird er aber auch in nördlicheren Gebieten, stark in England, angebaut. In Ostösterreich wurden im letzten Jahrhundert ebenfalls große Flächen bepflanzt, was dazu führte, daß in Wien die „Lavendelweiber“ singend Blütenbüschen anpriesen. Geschnitten wird der blühende Lavendel von Mitte Juni bis Mitte September. Das in den Blüten enthaltene, duftende Öl wird seit Jahrhunderten zur Herstellung von Parfum (u. a. Kölnischwasser) bzw. von Seifen und Riechsalz verwendet. Bekannt ist außerdem Lavendelhonig, zu dessen Gewinnung während der Blütezeit in der Provence (Frankreich) Bienenstöcke in den Feldern aufgestellt werden. Die Naturheilkunde schätzt die herz-, verdauungs- und kreislaufstärkende Kraft der Pflanze. Anwendung findet Lavendel auch im Haushalt: in der Küche als Gewürz oder für Lavendelessig, im Bad für Einreibungen oder als Wasserzusatz. Im Wäschekasten sorgen Lavendelkissen für angenehmen Geruch und wehren Motten ab. Mancherorts hängt man Lavendelbüsche in Wohnräumen auf, um Mücken und Fliegen zu vertreiben.
Gerüche berühren Menschen auf sinnliche Weise. Was den einen anzieht, stößt andere ab. Die Wahrnehmung von Gerüchen ist weniger ans Gehirn als ans Gefühl gebunden, was auch in Redewendungen wie „Mir stinkt etwas“ oder „Ich kann jemanden nicht riechen“ deutlich wird. Eine feine Nase ist ein erstrebenswertes Organ, um aufmerksam durchs Leben zu gehen. Am Lavendel zu riechen, wäre ein gutes Training.