Wer gemeint hat, daß Österreichs Höchstgerichte die Hüter der Menschenrechte sind, ist seit letzter Woche um eine Enttäuschung reicher. Erstmals in seiner Geschichte hat der Oberste Gerichtshof (OGH) die Geburt eines behinderten Kindes als Grundlage für Schadensersatzansprüche gewertet. Auch wenn dabei, so Heinz Fischer von der Lebenshilfe, eine juristische Finte angewandt wurde, um nicht das behinderte Kind selber als „Schaden“ zu bezeichnen, so könne man die Richter von einer „diskriminierenden Gesinnung nicht freisprechen“. Besonders entlarvend findet Fischer folgenden Satz der Urteilsbegründung: „Der Schaden sei primär dadurch eingetreten, daß eine Abtreibung unterblieben sei.“ Fischer hofft, daß dieses Urteil dazu beiträgt, die „eugenische Indikation“, die eine Abtreibung behinderter, aber durchaus lebensfähiger Kinder bis zur letzten Schwangerschaftswoche erlaubt, endlich abgeschafft wird.
Hans Baumgartner
Ganz Wien in Berlin
War das ein Spektakel! Zu Hunderttausenden kamen sie letztes Wochenende nach Berlin, um bei Love Parade dabeizusein. Eineinhalb Millionen Menschen, mehr als Wien Einwohner hat, trafen sich in der deutschen Hauptstadt. Es war ein lautes, ausgeflipptes, von den Medien vielbeachtetes und trotz einer tödlichen Messerstecherei friedliches Mega-Event. Doch was sind die Werte dieser Generation, die auf Technomusik und Piercings, auf Fun, Speed und Individualität steht? Keine Spur von politischem Interesse und aufs ganze gesehen ziemlich wenig Engagierte. Schade, denn die Gesellschaft bräuchte genau diese kreativen jungen Leute voll Power.