Als Wirtschaftsleiter der Salesianerschule trägt er zur Ausbildung von 400 Jugendlichen bei
Ausgabe: 1999/28, Mayr, Ghana, Orden
13.07.1999
- Martin Kranzl-Greinecker
Bis vor wenigen Jahren arbeitete der Salesianerbruder Günter Mayr als Erzieher in einem Linzer Lehrlingsheim. In Zeitschriften las er damals viel über die Arbeit von Ordensleuten in Übersee. Eines Tages tauchte der Wunsch auf, selbst in Afrika zu arbeiten.
Seit zehn Jahren ist Günter Mayr Ordensbruder bei den Salesianern Don Boscos. Der gelernte Kaufmann hat sich vorgenommen, nie große Pläne zu fassen, sondern seine Kraft der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Aber die Idee mit Afrika ließ ihn nicht mehr los. Nach einer Afrikareise 1996 war die Frage „Ist das etwas für mich?“, lauter denn je. Es folgte ein Jahr persönlicher Entscheidung und der Abstimmung mit dem Orden. Im Herbst 1997 war es dann soweit: Br. Günter wurde in die Internationale Gemeinschaft von Sunyani im Norden Ghanas entsandt. Sechs Salesianer, Priester und Brüder, wirken dort. Sie haben in den letzten sieben Jahren ein Berufsausbildungszentrum gegründet, betreuen Straßenkinder und leiten eine Pfarre mit 10.000 Einwohnern. Br. Günters Aufgabe ist die Wirtschaftsleitung des „Vocational Trainings Center“, wie die berufsbildende Schule heißt.
Die Region um Sunyani ist strukturschwach und arm an Arbeitsplätzen. Bevor die Salesianer vor drei Jahren ihre Schule eröffnet haben, verdingten sich die meisten Jugendlichen als ungelernte Kräfte. Wer als Tagelöhner nicht genug verdienen konnte, wanderte in die Stadt ab, um dort erst recht keinen Job zu finden. Ausbildung und Starthilfe sind die Schlüsselwörter der Salesianerschule.
Werkzeugkasten oder Tiere
Die Jugendlichen besuchen einen zweijährigen Kurs, in dem sie Theorie und Praxis verbinden. Selbstgefertigte Produkte werden vermarktet, um das Schulgeld niedrig zu halten und allen den Schulbesuch zu ermöglichen. Für die praktische Arbeit gibt es Gehälter, ein Teil aber wird auf ein Konto gelegt. Nach Schulabschluß erhalten die Absolventen von diesem Geld einen gefüllten Werkzeugkasten. Die Absolventen des landwirtschaftlichen Zweiges bekommen ein Jungtier oder mehrere Kleintiere, etwa Truthühner. Werkzeug oder Tier – in jedem Fall ist ein Anfangsschritt in ein selbständiges Leben gemacht.
Bis jetzt gibt der Erfolg den Ordensleuten recht. Die meisten Jugendlichen finden dank ihrer Ausbildung einen Job, die Schule braucht um Schüler/innen nicht zu bangen. Demnächst soll ein Schülerheim in traditioneller ghanesischer Wohnform entstehen, um das Einzugsgebiet zu vergrößern.
Mit Christianisierung hat die Arbeit der Salesianer in Ghana wenig und doch viel zu tun. „Mit unseren Projekten wollen wir das Evangelium der Tat verkünden“, so Br. Günter. Er hat in den letzten zwei Jahren andere Augen für die Menschen bekommen, sagt er. In Kürze kehrt er vom Heimaturlaub nach Sunyani zurück.
Bei weiterem Interesse an der Arbeit der Salesianer in Ghana wenden Sie sich bitte an: „Jugend Eine Welt/Don Bosco Aktion Austria“, St. Veit-Gasse 25, 1130 Wien, Tel. 01/87839-531.