Der Apostel Paulus nennt in der Lesung dieses Sonntags ein Problem beim Namen, das den meisten von uns vertraut ist: „Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen“. Die Inhalte unseres Gebets und die Form, die rechte Weise, machen uns oft zu schaffen: Darum zu bitten, wäre vermessen, jenes will ich nicht einmal vor Gott aussprechen, dieses ist angesichts der großen Probleme der Welt zu lächerlich, ein weiteres kann ich mir selber nicht eingestehen. Außerdem fehlen der rechte Ort, die rechte Ruhe, der Mut zu äußeren Zeichen wie einer bestimmten Körperhaltung und die rechten Worte, auch wenn das Reden sonst keine Schwierigkeiten macht.
Die Folge ist, daß wir das Beten oft gleich ganz bleiben lassen. Dabei ist die Suche nach dem Zwiegespräch mit Gott eines der Kernelemente religiösen Lebens. Dafür stehen uns einerseits die überlieferten Grundgebete unseres Glaubens zur Verfügung, andererseits kann aber alles, jedes Wort und jede Geste, zu einem Gebet werden, wenn es aus einer Gott-bezogenen inneren Haltung kommt. Das heißt, daß das Gebet nichts zu erreichen sucht, daß es ohne Absicht geschieht, außer der, damit Gott näherzukommen und Gott zu dienen.
Sich für Gott Zeit nehmen: Ich nehme mir am Anfang oder am Ende des Tages, oder auch einmal zwischendurch, wenn bestimmt kein Telefon läuten kann, eine Viertelstunde Zeit zum Nichtstun; ich versuche still zu werden; ich bin einfach nur da, so wie Gott mich geschaffen hat.
Gott aus meinem Alltag erzählen: Ich erzähle Gott von dem, was geschehen ist, von meinen Vorhaben, von meinen kleineren und größeren Schwierigkeiten, von meinen Träumen – so, wie ich zu einer guten Freundin, einem Freund sprechen würde. Es kommt nicht auf ausgefeilte Formulierungen an, sondern darauf, daß ich das zulasse, was mich bewegt. Meine Erzählung schließe ich mit dem Satz: Das alles lege ich in deine Hände, Gott.
In „Alltagsritualen“ Gottes Nähe erspüren: Ich trinke ein Glas Wasser ganz bewußt in Dankbarkeit; ich zünde eine Kerze an und betrachte aufmerksam ihr Licht; ich streiche mir über Stirn und Wangen und genieße die dabei entstehende Wärme.
Das Gebet hält unseren Glauben lebendig; deshalb sollten wir es üben, allein und in Gemeinschaft, auch wenn es uns oft schwerfällt. Dabei dürfen wir uns von Paulus’ Worten trösten lassen: „Der Geist selber tritt jedoch für uns ein“ – wir können und müssen keine „perfekten“ Beter/innen sein, nur „bemühte.