UNO-Bericht fordert Neuorientierung der Welt-Wirtschaftspolitik
Ausgabe: 1999/29, Uno, UNO, Armut, UNO-Bericht
20.07.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Der Papst hat es sehr deutlich schon in seiner ersten Sozialenzyklika – „Laborem exercens“, 1981, gesagt: Der Mensch muß im Mittelpunkt der Wirtschaft stehen. Nun ist es ähnlich im 10. UNO-Bericht zur menschlichen Entwicklung zu lesen.
Der Bericht fordert eine völlige Neuorientierung der Globalisierungspolitik. In ihrem Mittelpunkt müsse der Mensch, nicht wirtschaftliche Interessen stehen. Die weltweite wirtschaftliche Vernetzung habe, so die UNO, zu einer eklatant ungleichen Verteilung des Reichtums geführt. Die Armen werden weiter ärmer, die Reichen reicher. Die Industrieländer erwirtschaften vier Fünftel der Weltprofite, es lebt aber nicht einmal ein Fünftel der Weltbevölkerung in diesem Teil der Erde!
Klingt theoretisch. Wie wär’s mit ein bißchen Anschauungsmaterial über den Skandal des Reichtums? – Für die Forschung in der Kosmetikindustrie wird mehr Geld ausgegeben als zur Bekämpfung von Armut und Krankheit!
UNO: Neue Regeln der Wirtschaft
Der 10. UNO-Bericht zur menschlichen Entwicklung ist eine harte Abrechnung mit den gängigen Spielregeln der Wirtschaft. Er fordert eine völlige Neuorientierung der Globalisierungspolitik, in deren Mittelpunkt der Mensch und nicht wirtschaftliche Interessen stehen müßten. Die rasant wachsende Globalisierung habe zu einer „eklatant ungleichen Verteilung von Reichtum“ geführt. Die Schere zwischen reichen und armen Ländern ist größer geworden, stellt die UNO fest. Die Industrieländer, in denen nur 17 Prozent der Weltbevölkerung leben, erwirtschaften 80 Prozent der Weltprofite. Die Globalisierung aber dürfe nicht nur den Profiten einiger nützen, sondern müsse vielmehr zur Bereicherung des Lebens aller beitragen. Der UNO-Bericht hält auch plakative Beispiele bereit. Die Benützer der so wichtigen modernen Kommunikationsmittel leben zu 88 Prozent in Industrieländern. Ein Computer koste einem durchschnittlichen Amerikaner einen Monatslohn, einem Bangladeshi jedoch acht Jahreseinkommen. Oder: Für die Forschung in der Kosmetikindustrie wird mehr Geld ausgegeben als zur Bekämpfung von Armut und Krankheit. Der verschärfte Wettbewerb führe zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und zum Abbau sozialer Schutzmaßnahmen.