Die serbische Kirche beklagte vergangene Woche, daß die im Kosovo zurückgebliebenen Serben von den KFOR-Einheiten zu wenig vor den Übergriffen der UCK geschützt würden. Über 50 Serben wurden in den vergangenen Wochen ermordet, an die 30 Gotteshäuser wurden geplündert oder zerstört, tausende Menschen wurden aus ihren Wohnungen vertrieben. Diese Verbrechen anzuklagen steht der Kirche zu, zumal ihre führenden Vertreter von Beginn an den Vertreibungs- und Vernichtungsfeldzug des Milosevic-Regimes verurteilt haben. Doch ihre Sichtweise, da sind die bösen Verführer und hier das manipulierte Volk, erinnert fatal an die blinden Flecken, mit denen in Österreich – auch von der Kirche – die Mitverantwortung für die Greuel der NS-Zeit „übersehen“ wurde. Da haben Bischöfe zwar bedrängten NS-Familien geholfen, die Witwe von Franz Jägerstätter ließ man im Regen stehen. Es wäre ein neuer Anfang, wenn die serbische Kirche nicht nur ihre Toten beklagte, sondern auch die 150 Albaner, die seit „Kriegsende“ Opfer von Minen wurden.
In der Schußlinie
Der Grazer Bürgermeister Alfred Stingl ist ein Mann, für den Solidarität ein wesentlicher Wert seiner sozialdemokratischen Gesinnung ist. Er hatte deshalb schon vor der letzten Wahl innerhalb seiner Partei Schwierigkeiten. Vor kurzem geriet er erneut in die Schußlinie seiner „Genossen“, weil er mit den Kirchen einen Plan zur Betreuung von bettelnden Roma umsetzen wollte. Ein Herz für die Armen ist für Politiker derzeit offenbar äußerst ungesund.