Frondienst und Glaubenskrieg bilden den historischen Hintergrund für das „Frankenburger Würfelspiel“. Katholiken und Protestanten feiern heuer erstmals einen Versöhnungsgottesdienst.
Toleranz und soziale Gerechtigkeit sind die Hauptthemen des seit 1925 bestehenden „Frankenburger Würfelspiels“. Obwohl der historische Hintergrund heuer genau 370 Jahre zurückliegt, ist die Thematik in unserer Zeit geradezu brandaktuell.
Regisseur Michael Neudorfer: „Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersglaubenden, gegenüber Schwachen und Benachteiligten, prägt nicht nur den Krieg jenseits unserer südlichen Grenzen. Bedauerliche, durch Krisen in Wirtschaft und Politik ausgelöste gesellschaftliche Entwicklungen machen es möglich, daß nicht wenige in Österreich mit dieser Intoleranz erfolgreich ihr politisches Geschäft machen können.“
Die über 400 Laienschauspieler stellen auf der größten Naturbühne Europas unter freiem Himmel ein authentisches Geschehen aus der Geschichte ihrer Vorfahren dar. Sie wollen die Not und Verzweiflung der Bauern damals begreifbar machen und anschaulich zeigen, wohin Fanatismus und Intoleranz führen können.
Die Frankenburger legen eine große Sorgfalt an den Tag, damit die alle zwei Jahre stattfindenden Aufführungen „nicht zu einem Kostümspektakel verkommen“, sagt Hans Gebetsberger, ehemaliger Pfarrgemeinderatsobmann und Begründer der Kabarettgruppe „Saurampfa“. Er gehört zu jenem Kreis, der den heuer erstmals vor Beginn der Spielsaison stattfindenden ökumenischen Versöhnungsgottesdienst vorbereitet. Die Anregung dazu kam von evangelischen Christen, erzählt Gebetsberger. Denn gerade bei ihnen hat das Geschehen des „Frankenburger Würfelspiels“ tiefe Spuren hinterlassen.
Den Versöhnungsgottesdienst an der Stätte der Aufführung soll es, so Gebetsberger, der selbst auch als Spieler mitwirkt, in Zukunft immer geben.
Wer den historischen Hintergrund des „Würfelspiels“ kennt, versteht die tiefe Bedeutung dieses Händereichens über alle Konfessionsgrenzen hinweg.
Österreichs Kaiser betrieb im Zuge der Gegenreformation das „Katholischmachen“ seiner Untertanen. Auch in der Grafschaft Frankenburg war die Bevölkerung überwiegend protestantisch und wollte sich nicht die katholische Konfession aufzwingen lassen. Zudem litten diese Menschen nicht nur unter Gewissensnot, sondern auch unter den harten Steuern und schweren Frondiensten. Als im Mai 1625 in Frankenburg ein katholischer Geistlicher eingesetzt wurde, kam es zum bewaffneten Aufstand, der – nachdem man ihnen Gnade versprochen hatte – nach drei Tagen beendet wurde.
Doch die „Gnade“ des bayerischen Statthalters im Land ob der Enns, Adam Graf von Herberstorff, war schrecklich: 36 Männer mußten paarweise um ihr Leben würfeln. Die Hälfte von ihnen fand den Tod durch den Strick. Dieses Geschehen bildete dann den Auftakt zu den Bauernkriegsjahren des 17. Jahrhunderts.