Mehr als 12.000 Fahrzeuge hat die MIVA seit ihrer Gründung vor 50 Jahren für den Dienst in der Weltkirche vermittelt.
Gespannte Ruhe begleitet Sr. Mona Therese Corbani, als sie das rot-weiß-blau umrandete Luftpostkuvert öffnet. Der Umschlag hat sich zwar schon etwas dicker angegriffen, aber die Schwester im Waisenhaus von Kfour, hoch oben in den Bergen des Libanon, war sich noch nicht sicher, welche Botschaft der Brief aus Stadl-Paura beinhalten würde. Doch die konzentrierten Blicke lösen sich immer mehr in heiteres Lächeln auf, und plötzlich ruft sie voll Freude ihren Mitschwestern zu: „Wir haben ein Auto!“ Begeistert streckt sie den Scheck in die Höhe, mit dem der Kleinbus für die seelsorgliche Arbeit angeschafft werden kann. Für die Schwestern im libanesischen Kfour ist es ein Geschenk des Himmels, daß ihnen von der MIVA in Stadl-Paura ein Fahrzeug für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt wird. Kein Wunder, daß auch darum die oberösterreichische Gemeinde weltweit bekannt ist. So passierte es bereits Bischof Franz Zauner beim 2. Vatikanischen Konzil, daß vielen Konzilsvätern Stadl-Paura geläufiger war als seine Bischofsstadt Linz.
Zu Wasser, zu Lande und in der Luft
Daß die Idee, die Arbeit in der Mission mit Fahrzeugen zu erleichtern, in Österreich Fuß gefaßt hat, ist mit einem Namen untrennbar verbunden: Karl Kumpfmüller. Vom „fliegenden Pater“ Paul Schulte und dessen MIVA begeistert, zog er mit Filmen und Lichtbildern durch Oberösterreich, um die Idee unter die Leute zu bringen. Bald waren es über 10.000 Förderer, die Kumpfmüller – am 7. September 1948 von den Bischöfen mit dem Aufbau der MIVA in Österreich beauftragt – mit einem Schilling monatlich unterstützten. Am Missionssonntag 1949 war es dann soweit: Die MIVA wurde gegründet, und die ersten zwölf Fahrräder gingen vom Stift Lambach in die Welt hinaus. Fünf Jahre später konnte das erste Auto vermittelt werden. Der MIVA-Pionier überstellte den Wagen persönlich nach Algerien.Über 12.000 Fahrzeuge waren es in den 50 Jahren, die unter dem Motto „Christus entgegen – zu Wasser, zu Lande und in der Luft“ in rund 120 Länder der Erde vermittelt werden konnten.
Ein Groschen pro unfallfreien Kilometer
„Zusammen sind das Spendengelder von rund einer Milliarde Schilling“, sagt Franz Xaver Kumpfmüller, Sohn des MIVA-Gründers, der seit 1978 als Direktor die Geschicke der kirchlichen Einrichtung leitet. Wichtigstes Standbein für die Finanzierung (Gesamtsumme 1998: 47,5 Millionen) ist die Christophorus-Aktion, die zum Fest des Schutzpatrons im Straßenverkehr (24. Juli) durchgeführt wird.Nicht als „himmlische Versicherung“ – wer spendet, dem passiert nichts im Straßenverkehr – will Kumpfmüller den Christophorus-Sonntag verstehen. „Vielmehr soll es um Dankbarkeit gehen.“ Darum gilt auch seit der ersten Aktion 1959 die Faustregel für die Spende der Verkehrsteilnehmer: ein Groschen pro unfallfrei gefahrenen Kilometer. „Andererseits spüren wir in den letzten Jahren, daß Mobilität teilbar ist“, meint Kumpfmüller. „Es gibt immer mehr Menschen, die ihr Auto bewußt einsetzen. Sie verzichten auf unnötige Kilometer und lassen das Ersparte der Kirche des Südens zugute kommen.“
Die Kirche des Südens unterstützen
Franz X. Kumpfmüller spricht bewußt von der Kirche des Südens. Denn waren es vor 50 Jahren fast ausschließlich Missionsschwestern und Missionare aus Österreich, die durch die Arbeit der MIVA unterstützt wurden, so ist auch beim Posteinlauf in Stadl-Paura das Wachsen der Weltkirche unübersehbar geworden. 1998 waren drei von vier Antragstellern gebürtige Afrikaner, Asiaten oder Lateinamerikaner. Und um den Einsatz der Fahrzeuge noch zu verbessern, setzt die MIVA auf Verkehrskonzepte der einzelnen Diözesen. Kumpfmüller: „Damit soll sichergestellt werden, daß auch in Zukunft durch den sozialen, caritativen und seelsorglichen Einsatz der Kirche den Menschen Christus nähergebracht werden kann.“
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Aus der Geschichte
Von einem Paar Goiserer bis zum Elefanten
Die ersten Fahrzeuge. Die von der neu errichteten Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft (MIVA) 1949 von Stadl-Paura aus für den Einsatz in der Weltkirche bereitgestellten Fahrzeuge waren zwölf Fahrräder der Type „Steyr-Waffenrad“.
Die längste Lebensdauer. 1998 finanzierte die MIVA den ersten Elefanten. Das Ansuchen dazu kam aus Burma. Für motorisierten Verkehr gäbe es keine Möglichkeiten. Und der Antragsteller begründete die wohl teure Anschaffung damit, daß bei normaler Pflege der Elefant im Dienste der Kirche viel älter werde als jedes Auto. Denn mit einer angegebenen 100jährigen Lebenserwartung wird der Vierbeiner mit Sicherheit älter als jeder Vierrädrige.
Mysteriös verschwunden. Ein für die Arbeit im westafrikanischen Ghana bestimmter Geländewagen ist Mitte der 70er Jahre auf ungeklärte Weise verschwunden. In Hamburg verschifft, fehlte bei der Ankunft in Accra das Fahrzeug. Die Versicherung zahlte das Auto, und beim zweiten Versuch gelangte es nach Ghana.
Ein Paar Bergschuhe. Das kleinste Fortbewe-gungsmittel war Mitte der 60er Jahre ein Paar maßgefertigte Goiserer für Pater Peter Granegger. Von MIVA-Direktor Karl Kumpfmüller gefragt, ob denn der Missionar auf Papua Neu-Guinea keine Fahrzeugwünsche habe, antwortete dieser: „Auf meinen Märschen durch den Sumpf hilft mir kein Auto. Aber gutes Schuhwerk wäre nützlich.“
In Afrika gebaut. Das größte Fahrzeug war die „Eneyelo II“ für die Urwalddiözese Bokungu-Ikela (Kongo-Zaire). 1983 gemeinsam mit der Dreikönigsaktion finanziert, wurde das Flußschiff mit VOEST-Stahl und einheimischer Schiffsbautechnik in der Werft von Kinshasa gefertigt.