In keinem Jahr war der Jubel über die Selbständigkeit derart laut zu hören wie 1960. Denn in 12 Monaten wurden von Westafrika bis Madagaskar nicht weniger als 17 Staaten in die Unabhängigkeit entlassen. Ähnlich enthusiastisch reagierte der Kontinent am 28. März 1960: Papst Johannes XXIII. beruft mit Laurean Rugambwa erstmals einen Schwarzafrikaner ins Kardinalskollegium.Mit der Entscheidung für den Mann aus Tanganjika setzt der „Übergangspapst“ auch in der Kirche auf Entkolonialisierung. Dabei kam Rugambwas Clan erst 1920 zum christlichen Glauben, als der Häuptlingssproß bereits acht Jahre alt war. Der Schule bei den „Weißen Vätern“ in Uganda folgt das Studium in Rom. Neun Jahre nach der Priesterweihe (1943) kam die Ernennung zum Bischof – dem zweiten Schwarzen nach dem Ugandesen Josef Kiwanuku (1939) in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche. Für weltweites Aufsehen sorgt sein fürstliches Auftreten, als er Papst Paul VI. 1965 bei dessen Besuch vor der UNO in New York begleitet. Weil der Kardinal die Politik des seit 1961 selbständigen Tansanias zurückhaltend verfolgt, überrascht es, daß er 1967 die Arusha-Erklärung unterstützt. Darin legte Julius Nyerere das Modell des afrikanischen Sozialismus vor. Als der Erzbischof von Dar-es-Salaam 1997 stirbt, sind alle 29 Diözesen des Landes mit eingeborenen Bischöfen besetzt und von 155 Kardinälen 12 aus Schwarzafrika.