Österreichische Familien mit indischen Adoptivkindern verbrachten eine gemeinsame Ferienwoche in Grünau
Ausgabe: 1999/30, Indien, Aristha, Jochade
27.07.1999
- Martin Kranzl-Greinecker
Grünau im Almtal, ein Julitag 1999. Alle Augen sind auf ein Kind gerichtet. Doch die Eltern dieses Kindes heißen nicht Caroline von Monaco und Ernst August von Hannover.
Die leiblichen Eltern der zweijährigen Sabiki Magdalena – so heißt das Kind – stammen nicht aus der Welt der Reichen und Schönen, sondern in Indien. Dort landete das Baby eines Tages in einem Waisenhaus bei den Missionarinnen der Nächstenliebe. Die Schwestern des von Mutter Teresa gegründeten Ordens fanden für Sabiki eine Adoptivfamilie in Niederösterreich, die sich über den Familienzuwachs enorm freut.
Heute steht Sabiki im Mittelpunkt. Sie wird auf den Namen Sabiki-Magdalena getauft. Eine große Gemeinschaft feiert mit, denn die Taufe findet im Rahmen der Begegnungswoche für gut zwanzig Familien mit indischen Adoptivkindern in Grünau statt. Einige hundert Kinder hat die Wiener Niederlassung der Mutter Teresa-Schwestern in den letzten Jahren zur Adoption nach Österreich vermittelt. Die aufnehmenden Eltern schätzen besonders, daß sie in Indien mit seriösen Ansprechpartnern zu tun haben. Die Ordensfrauen sind über jede Spekulation erhaben: Geld ist niemals im Spiel und zur Adoption werden nur Kinder aus Waisenhäusern vermittelt, die gefunden bzw. abgegeben wurden oder deren Eltern verstorben sind.
Wie zum Beispiel Aristha. Sie ist sieben Jahre alt und war ein gutes Jahr, als sie ihre Adoptiveltern Lothar und Gerlinde Jochade aus Linz im Waisenhaus von Neu Dehli persönlich abholten. Damals war Aristha 70 cm groß und wog nur sieben Kilo. „Als ich das Kind zum ersten mal in die Arme schloß, war es wie eine Geburt“, berichtet Gerlinde Jochade. Sie und ihr Mann hatten sich immer ein zweites Kind gewünscht. Durch die Missionarinnen der Nächstenliebe wurde der Wunsch wahr und Aristha bekam eine liebevolle Familie einschließlich aller Chancen, die österreichische Kinder haben. Simon (15) liebte seine Schwester übrigens vom ersten Tag an heiß und innig.
Auch in der Umgebung gab es für das dunkelhäutige Mädchen bisher kaum Probleme. Das kann noch kommen. Die Adoptivmutter nachdenklich: „Manchmal denke ich darüber nach, wie es wird, wenn Aristha in die Pubertät kommt. Wird sie sich je als Österreicherin fühlen? Oder wird sie einmal sagen: Hier bin ich zu Hause, daheim bin ich in Indien. Ich will dort hin, woher ich kam.“ Garantiescheine gibt es eben nie, weder für leibliche noch für adoptierte Kinder.
Auf keinen Fall sollen die Kindern ihrer Heimat entfremdet werden. Weshalb die Kinder bei der Ferienwoche in Grünau jeden Tag unter Anleitung einer indischen Pädagogin ein Stück indische Kultur und Lebensart kennenlernen. Stolz zeigt Aristha ihren Namen in Hindi-Buchstaben. Und sie läßt sich die indische Speise schmecken, die sie heute zubereitet hat. Am besten gefällt ihr der Pfauentanz. Besonders schön aber ist die Gemeinschaft mit den anderen: Endlich einmal nichts Besonderes sein und immer angeschaut werden!