Brasiliens Demokratie ist auf die Hilfe aus den Gefängnissen angewiesen
Ausgabe: 1999/30, Brasilien, Zgubic, Folter, Mut
27.07.1999
- Hans Baumgartner
Die Gefängnisseelsorge trägt nicht nur für die Häftlinge, sondern auch für die Demokratie in Brasilien Verantwortung “, sagt G. Zgubic.
„Als Seelsorger sind wir die einzigen, die wirklich von außen regelmäßig in die Gefängnisse kommen, die die Folterungen und die Mißstände sehen. Deshalb ist es nicht nur unsere Aufgabe, den Gefangenen beizustehen, sondern auch dafür zu sorgen, daß diese Zustände aufhören. Denn davon ist die ganze brasilianische Gesellschaft bedroht. Solange die von der Militärdiktatur stammenden Sondervollmachten für die Sicherheitskräfte gelten, kann jeder Bürger ohne besonderen Grund verhaftet werden und in diesem unmenschlichen System landen“, betont Zgubic.„Anzeigen gegen Polizisten und Gefängnisleitungen sind nur möglich, wenn wir die Folterfälle genau dokumentieren. Dazu brauchen wir die Aussagen der Betroffenen. Und diese riskieren weitere Mißhandlungen, ja sogar ihr Leben, damit endlich auch in den Gefängnissen und bei der Polizei die Menschenrechte respektiert werden.“ Daß es gerade die Ärmsten, die Ausgegrenzten, Kriminelle und als solche Beschuldigte sind, die mit ihrem Mut der Demokratie in Brasilien einen unermeßlichen Dienst leisten, habe auch eine zutiefst christliche Dimension. „Selig die Armen . . .“Neben dieser Arbeit setzt sich die Kirche in Brasilien auch für eine grundlegende Reform des Strafvollzugs ein. So hat die Bischofskonferenz als sozialen Schwerpunkt für dieses Jahr die Kirchengemeinden aufgerufen, sich um die Gefängnisse in ihrem Bereich besonders zu kümmern. Dazu sollen eigene Gruppen gegründet werden, die Gefangene betreuen, die dafür sorgen, daß deren Familienkontakte nicht abreißen und sich unter Einbindung von Richtern um einen anderen Strafvollzug – Sozialarbeit statt Einsperren – kümmern. Beispiele zeigen, daß dadurch die Rückfallsquote von dem Weltspitzenwert von 80 Prozent auf zehn Prozent und weniger zurückgeht, berichtet Zgubic.