„Die brasilianische Regierung redet groß von Menschenrechten, die in diesem Land nun wieder gelten, und hat dafür auch eine Reihe von Gesetzen gemacht. Im Polizeiapparat und in den Gefängnissen aber herrschen meist andere Gesetze. Nur durch internationalen und nationalen Druck könne diese Situation geändert werden, sagt Pfarrer Günther Zgubic. Bei der Ökumenischen Versammlung in Graz 1997 konnte Zgubic erstmals eine breitere Öffentlichkeit in Europa auf die himmelschreienden Zustände in brasilianischen Gefängnissen aufmerksam machen. Anschließend übergab er im österreichischen Außenamt Staatssekretärin Ferrero-Waldner die erste Folterdokumentation. Diese informierte Brüssel. Seither befaßt sich die Lateinamerikakommission der EU damit. Die Botschafter der EU-Länder in Brasilien wurden angewiesen, dieser Frage nachzugehen. „Vorher haben sie den schönen Reden der brasilianischen Regierung geglaubt, jetzt sind viele schon kritischer“, sagt Zgubic. Die Dokumentationen und Initiativen der Gefängnispastoral waren auch Anstoß dafür, daß Amnesty International die Menschenrechtslage in brasilianischen Haftanstalten näher unter die Lupe nahm. Vor zwei Wochen legte Amnesty zum Start einer weltweiten Kampagne einen ausführlichen Bericht über die Leiden der „vergessenen Gefangenen“ vor. In Brasilien selber hat die Kirche die landesweite Aktion „Christen für die Abschaffung der Folter“ ins Leben gerufen. Die Gefängnispastoral war 1998 auch Schwerpunkt der landesweiten Fastenaktion.