Eine ökumenische Reise der Kirchenzeitung führte nach Frankreich
Ausgabe: 1999/30, Burgund, Ökumene, Reise, Frankreich
27.07.1999
- Matthäus Fellinger
Auf den Spuren der Klöster und Reformbewegungen war letzte Woche eine ökumenische Reisegesellschaft im französischen Burgund unterwegs.
Mittag in Taizé. 5000 großteils junge Menschen strömen nach dem Gebet aus der Kirche zur Essensausgabe. Alles verläuft in geordneten Bahnen. In vielen Sprachen unterhalten sich die Leute, während sie warten. Gut organisiert geht alles schnell vor sich. Die 50 Teilnehmer an der diesjährigen ökumenischen Reise staunen. Nirgends wird geraucht. Keine laute Musik. Das Gebet, die Stille und das Reden miteinander prägen diesen Ort. Vor 59 Jahren hat sich hier in Taizé Roger Schütz niedergelassen. Eine große ökumenische Gemeinschaft ist entstanden. Den Sommer über sind Woche für Woche an die 5000 Jugendliche da. Bei den Taizé-Jugendtreffen in den großen europäischen Städten sind es über 100.000.Das ist die eine Seite der französischen Kirche. Auf den Spuren der Klöster und Reformbewegungen führte die ökumenische Reise auch nach Clairvaux. Der hl. Bernhard ist hier im von ihm gegründeten Kloster im Jahr 1153 gestorben. Nur wenig ist vom ursprünglichen Kloster noch zu sehen. Aus den Steinen der alten Kirche hat man später ein Gefängnis gebaut. Bis zu 2500 Gefangene fristeten nach der Französischen Revolution in diesen Mauern ihr Leben, eng zusammengepfercht in winzigen Räumen. Damit es nicht zu viele Bettler gebe, wurden gleich ganze Familien eingesperrt. Noch heute ist das ehemalige Kloster eine Strafanstalt für Schwerverbrecher und Drogendealer. Sie leben in einem eigenen Trakt, während die Reste des früheren Klosters allmählich zerfallen.Nur das Nötigste kann oft geleistet werden, um die markanten Städte der christlichen Kultur in Frankreich zu erhalten. Der reichen Tradition steht eine arme Kirche gegenüber. Kirchenbeitrag gibt es in Frankreich keinen – mit Ausnahme des Elsaß lebt die Kirche von den Spenden ihrer Gläubigen.In Citeaux – Ursprungskloster der Zisterzienser – gibt es seit rund 100 Jahren wieder Mönche. Ähnlich wie heute in Taizé haben dort die Mönche vor 900 Jahren begonnen, unter Verzicht auf jedweden Reichtum Jesus nachzufolgen. Sie wollten mit dem Reichtum und der Macht der Mönche von Cluny nichts mehr zu tun haben und widmeten ihr Leben dem Gebet und der Arbeit, mit der sie ihren Lebensunterhalt selbst bestritten.