„Wenn ich mir vorstelle, wie schlecht es mir vor fünf Jahren gegangen ist.“ So erzählte mir eine etwa 60-jährige Bekannte, die ich nach langem wieder getroffen hatte. Sie war schon viele Jahre allein. Vor fünf Jahren hatte auch der jüngere Sohn das „Nest” verlassen, und sie fiel in ein „tiefes Loch“. Die Einsamkeit war für sie so schwer zu ertragen, daß sie wie gelähmt war. So verkroch sie sich zunehmend und konnte die Einladungen von Freunden nicht annehmen, sie wollte nicht „unnützes Anhängsel“ sein, wie sie sagte. „Gefreut hat mich überhaupt nichts mehr.“„Und was hat Ihnen herausgeholfen?“ fragte ich, da sie einen durchaus frischen Eindruck machte. „Genau kann ich es nicht sagen, aber eines weiß ich, ich habe aufgehört, die Hilfe von außen zu erwarten oder durch mein Klagen zu erzwingen. Ich habe begonnen, ein bißchen von mir selber wegzuschauen, mich nicht nur mit mir selbst zu beschäftigen. Allmählich begann ich die Menschen um mich herum, meine Nachbarn – auch die jüngeren – wieder wahrzunehmen. Es entwickelten sich kurze Gespräche da und dort. Ich konnte wieder zuhören, und es interessierte mich, wie es den anderen ging. Ein kleines Mädchen im Hof lief mir zu, wenn ich vorbeikam. Wir plauderten ein wenig, und ich merkte, wieviel Freude und Lebendigkeit dabei auf mich herüberkam. Ich wurde dabei wohl etwas freundlicher und zugänglicher für die anderen. Es waren keine großen Dinge, aber sie genügten, um mein Leben zu verändern.“