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Junge Menschen geben der Welt ein Zeugnis

Die Ungenacherin Petra Stockinger wird Missionarin auf Zeit
Ausgabe: 1999/31, Petra Stockinger, Missionarin auf Zeit, Ungenach
10.08.1999
- Walter Bachmayr
Wenn viele kleine Leute an vielen Orten viele kleine Dinge tun, wird sich das Angesicht der Erde erneuern.” Petra Stockinger aus Ungenach und mit ihr weitere 49 junge Leute zeigen, wie diese afrikanische Weisheit Wirklichkeit werden kann.

Sie hat eine ganz besondere Ausstrahlung und wenn sie über ihren am 16. August beginnenden Einsatz erzählt, kommt auch ein ganz besonderes Leuchten in ihre Augen. Petra Stockinger, die junge Musikschullehrerin und Organistin, hat sich entschlossen, in ein Projekt der Steyler Missionare einzusteigen und auf ein Jahr als „Missionarin auf Zeit“ nach Chile zu gehen.
Dort wird sie in El Monte, etwa 10 km von der Hauptstadt Santiago de Chile entfernt, in der Pastoral mitarbeiten. Das beinhaltet Tätigkeiten wie Leitung von Bibelgruppen, Gebetskreisen sowie vom Kinderchor. Musikunterricht in der zur Missionsstation gehörenden Schule und Hausbesuche machen. Während der Sommerferien, die in Chile so von Jänner bis März sind, gehen die Steyler Missionare und Missions- schwestern hinaus zu den Menschen in den Dörfern. Auf diese „Ferienmission“ freut sich Petra Stockinger schon besonders.
Insgesamt wurden in den letzten Monaten 50 junge Menschen, 7 davon aus Oberösterreich – der Großteil kommt aus Deutschland – auf ihren einjährigen Einsatz in allen möglichen Länder dieser Erde vorbereitet.Glaube und die Bereitschaft, das Leben mit Menschen anderer Kulturen zu teilen, eine Vision von der „Einen Welt“ und der Weltkirche, werden von den jungen Leuten vorausgesesetzt.
Auch Idealismus. Geld gibt es für diesen Einsatz keines, ja selbst die Reise- und Versicherungskosten sowie die Sprachausbildung sind selbst zu bezahlen. Die Steyler Missionare bieten im Gastland Unterkunft, Verpflegung und Begleitung.Die jungen „Missionare auf Zeit“ wissen, dass letztendlich sie es sind, die von diesem Jahr am meisten profitieren. Sie verstehen sich als Brücke zwischen den Menschen verschiedener Kulturen und Länder und erleben, dass sie voneinander viel lernen können.

Neues Missionsverständnis

Ein Punkt, der Petra Stockinger ganz besonders angesprochen hat, ist das heutige Missionsverständnis. Demnach wird Mission „als Sorge um den ganzen Menschen verstanden, als Verkündigung des umfassenden Heiles in Jesus Christus und als Weg für ein geschwisterliches, weltweites Miteinander.“ Der Missionar ist heute in erster Linie selbst ein Lernender, erzählt Petra Stockinger. „Das ist auch meine Hauptmotivation, warum ich das mache.“Der Weg zur Entscheidung zu diesem Einsatz war für sie ein langer. Ihre Mutter machte sie vor sechs Jahren auf eine Bergwoche aufmerksam, die in der „Stadt Gottes“, der Zeitschrift der Steyler Missionare, ausgeschrieben war.

Die ersten Kontakte

Kurz entschlossen tat sie mit und seither war sie bei vielen Wochenenden dabei und erlebte die beeindruckenden Schilderungen der Missionare, Missionsschwestern und auch jener jungen Leute, die von ihrem einjährigen Einsatz zurückkehrten.„Irgendwie habe ich mir die ganzen Jahre her schon gedacht: Das Unterrichten an der Musikschule, das kann nicht alles im Leben sein“, erzählt Petra Stockinger, die auch in der oö. Cursillo- Bewegung engagiert ist.

Die Entscheidungsphase

Nach längerem inneren Hin und Her fasste sie im heurigen April dann den Entschluss, sich auf das Wagnis einer „Missionarin auf Zeit“ einzulassen.

Zeit der Vorbereitung

In der Folge waren viele Dinge zu erledigen. Sie musste die intensiven Vorbereitungskurse absolvieren. Zuletzt ein zwölftägiges Blockseminar in Steyl, Holland, dem Sitz der Missionsgemeinschaft. Abgeschlossen wurde dieses Seminar mit dreitägigen Schweigeexerzitien und einer gemeinsamen Sendungsfeier.Aber auch die Wohnung musste sie aufgeben und um die berufliche Karenzierung ansuchen.Eine Frage, die Petra Stockinger in all diesen Wochen beschäftigte, war, was denn die Menschen in ihrem Bekanntenkreis dazu sagen würden. Sie ist überwältigt von der Zustimmung, die sie rundherum erfährt, und auch beruflich hat sich alles so regeln lassen, dass sie im September 2000 wieder in den Musikschuldienst einsteigen kann, wo sie Klavier und Orgel unterrichtet.

Profit für unsere Kirche

Aus dem Bewusstsein, dass sich die Situation der Armen nur ändern kann, wenn sich in den sogenannten westlichen Ländern etwas ändert, sollen sich die „Missionar/innen auf Zeit“ nach ihrer Rückkehr in die Heimat dafür einsetzen, dass bei uns die Voraussetzungen für eine gerechtere Welt getroffen werden. Das ist zumindest die Erwartung, die die Steyler Missionare mit diesem Projekt verbinden.Und: Sie sollen durch ihre Erfahrungen von Kirche unter den Armen auch unsere abendländische Kirche bereichern.

Den Text aus der Sendungsfeier finden Sie auf Seite 23 („Kraftquellen“).


Die Teilnehmer

Die „Jungen Missionare auf Zeit“ aus Oberösterreich sind:
Renate Koppenberger (23), Freistadt, Krankenschweser, Indien;Johanna Gallistl (24), Helfenberg, Krankenschwester, Paraguay; Cathrine Bruckschweiger (19), Wels, HTL-Maturantin, Bolivien; Gerlinde Lackner, St. Peter/Wbg., Med.-Techn. Assistentin, Argentinien; Petra Stockinger (29), Ungenach, Musikschullehrerin,Chile; Manfred Fröhler (36), St. Aegidi, HS-Lehrer, Mexiko.

Auskünfte über Einsatzmöglichkeiten gibt es bei Sr. Magdalena Eichinger, Kloster St. Kolomann, Horner Str. 75, 2000 Stockerau, Tel. 02266/627 40
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