Ausgabe: 1999/31, Quadflieg, Vom Aufgang der Sonne
10.08.1999
- Maria Haunschmidt
Onkel Peter und Tante Emma haben hinterm Haus einen ziemlich großen Garten. Da kann man sehen, wie Erbsen und Karotten aussehen, bevor sie in bunt beklebten Konservendosen im Geschäft aufs Regal gestellt werden.Da kann man die Roten Rüben wachsen sehen: rund und glatt und mit Blättern obendran. Ganz anders sehen sie aus als im Glas, wo sie in Scheiben oder Schnipseln in Essig schwimmen. Da wächst der Lauch, aus dem der Koch die weiße Lauchcremesuppe macht; halb in der Erde wächst er, halb über der Erde.
Hinten am Zaun hat der Rhabarber seinen Platz, groß und stolz, mit kräftigen roten Stängeln und riesigen grünen Blättern. Da sind auch die Himbeeren am Strauch, die Kirschen und Pfirsiche am Baum, das ganze Kern- und Stein- und Beerenobst, das später als Gelee und Marmelade auf den Frühstückstisch kommt. „Unser Garten macht uns viel Arbeit. Aber er ist ein kleines Paradies“, sagen Onkel Peter und Tante Emma.
„Kommt, schaut euch das mal an! Da könnt ihr sehen, wie der liebe Gott wachsen lässt, was uns Menschen so gut schmeckt.”
O Gott, streck aus dein’ milde Hand und segne gnädig Leut und Land! Wend ab Frost, Sturm und Hagelschlag und alles, was uns schaden mag.
Aus Josef Quadflieg, Karin Oest: „Vom Aufgang der Sonne“, Kindergebete, Patmos-Verlag.