Der Weg gegen die Armut auf der Welt beginnt, wo man den Armen nicht aus dem Wege geht.
Man glaubte sie überwunden, aber sie kehrt zurück. Die Armut. Zwar ist genug da zum Essen und Anziehen. Immer mehr Menschen bleiben jedoch vom Wohlstandsstrom ausgeschlossen.Was uns Experten heute sagen, war auch den Propheten schon im Alten Bund bewußt: Wer gegen die Armut ankämpfen will, muss über den Reichtum reden. Und die Propheten prangern diesen Reichtum an. Wo viele Menschen zu wenig für ein menschenwürdiges Leben haben, dort leben andere im Überfluss. Unser weltweites Wirtschaftssystem treibt diese Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Global, aber auch mitten in den Ländern der Reichen.Da kann man nichts machen, schon gar nicht als Einzelner. So lautet die Rechtfertigung derer, die auf der Sonnenseite sitzen. Man könnte schließlich auch selbst unter die Räder geraten. In solchen Zeiten müsse eben jeder und jede selber zusehen. Arbeitslos? Wer will, der findet einen Platz. Obdachlos? Ein jeder ist halt für sich selbst verantwortlich. Die Philosophie funktioniert, solange man selbst nicht betroffen ist.
Nicht auf der breiten Wohlstandsstraße zu bleiben solange es geht, lautet der Impuls des Glaubens, sondern den Weg aufzuspüren, der Menschen in ihrer Armut hilft. Von Jesus lässt sich lernen. Er holte die Menschen nicht einfach aus ihrer Situation heraus, er ging vielmehr auf sie zu. Vor der erwarteten Nachfolge stand immer ein großes Entgegenkommen.
Wer einen Weg gegen die Armut finden will, muss zuerst die Scheu vor den Armen überwinden. Es kommt nicht zuerst auf das richtige politische Konzept an, ob ein Weg gegen Armut gefunden werden kann, sondern auf den Willen der Menschen, mit den Armen Gemeinschaft zu haben. An einer zentralen Stelle der Heiligen Schrift steht es: Selig die Armen, ihrer ist das Himmelreich.
Das meint nicht, dass Arme arm bleiben sollen, damit sie Gott gefallen. Im Gegenteil: Bei den Armen ist vorrangig Handlungsbedarf. Sie stehen in der Prioritätenliste Gottes an erster Stelle. Armen nicht aus dem Weg zu gehen, das ist der Anfang des Weges gegen die Armut. Die weiteren Schritte werden sich finden.