Die totale Sonnenfinsternis - ein einzigartiges Erleb nis
Ausgabe: 1999/31, Sonnenfinsternis
10.08.1999
- Walter Achleitner
Für den Naturwissenschafter Pater Amand ist die Sonnenfinsternis ein faszinierendes Ereignis, das eben ablaufen muss. Als Christ entdeckt er darin den Lobpreis Gottes durch die Schöpfung.In der Sternwarte des Benediktinerklosters in Kremsmünster laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Und es scheint, als würden für Pater Amand Kraml, den Direktor des Observatoriums, selbst die Nächte bis zum 11. August noch zu kurz. Denn für die totale Sonnenfinsternis hat er sich ein umfangreiches Beobachtungsprogramm vorgenommen.
Um so überraschender ist sein Tipp für die Zeit nach 11.18 Uhr: „Das, was sich ereignet, genießen und sich darüber freuen.“ Und der Mönch ergänzt: „In unserem Leben gibt es nichts, was sich zeitlich so exakt vorhersagen lässt und sich nie mehr ereignen wird.“Zwar gäbe es unzählige Abläufe in der Natur, die darauf verweisen, wie gewaltig die Schöpfung sei. Doch das Schauspiel, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt, sei ein Moment, wo diese Größe in einzigartiger Weise erlebt werden kann. Und darum rät der Benediktiner: „Suchen Sie sich einen Ort, wo Sie nicht durch Lärm, Licht oder Luftverschmutzung abgelenkt werden. Dann bleibt der Eindruck lebendig.“Bleibende Erinnerungen will der Direktor auch für seine Sternwarte sammeln. So wurde der Computer der Klimastation schon darauf programmiert, die Temperaturveränderungen im Minutentakt zu messen: „Das gibt wichtige Daten für die Klimaaufzeichnungen, die wir seit über 200 Jahren durchführen.“ Dass es aber auch noch immer ungeklärte Phänomene gibt, fasziniert den Naturwissenschafter. Darum wird Kremsmünster an einem Projekt der US-Raumfahrtsbehörde NASA teilnehmen. Dabei wird das 60 Meter lange Pendel beobachtet. Vielleicht kommt es während der Sonnenfinsternis tatsächlich zu Abweichungen der regelmäßigen Bewegungen.
Hintergrund
Die Sonne über Kremsmünster
Wer die weltweit einzige Sternwarte in einem katholischen Kloster besucht, wird bereits beim Betreten auf die Bedeutung astronomischer Beobachtungen aufmerksam gemacht. Über dem Eingang steht gleichsam wie als Motto für die Arbeit: „Preist den Herrn, Sonne und Mond und ihr Sterne am Himmel; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!“ (Dan 3, 62f) Dabei wird die Himmelsbeobachtung in Kremsmünster seit Beginn von Sonnenfinsternissen begleitet. Bereits im Herbst 1762, nur wenige Wochen nach der Einweihung, war erstmals eine Finsternis zu sehen. Als die Bedeutendste für die Sternwarte gilt jene vom 1. April 1764, durch die es P. Placidus Fixlmüller gelang, den Längen- und Breitengrad des neuen Observatoriums exakt zu berechnen.
Die Letzte, mit jener vom 11. August 1999 vergleichbare, ereignete sich am 8. Juli 1842, und wird intern „Stiftersche“ genannt. Denn Adalbert Stifter, einst Schüler im Haus, hat seine Beobachtungen eindrucksvoll aufgezeichnet. Im obersten Stockwerk der Sternwarte findet sich noch eine legendäre Sonnenfinsternis. Den kleinen Altar der Turmkapelle ziert eine Darstellung der Kreuzigung, als etwa um die sechste Stunde „eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich“ (Lk 23,45f).