Gegen 11 Uhr und 18 Minuten wird am 11. August der Mond vor die Sonne treten. Dann beginnt ein Naturschauspiel von fast drei Stunden, das sich erst 2081 wiederholen soll.
Es erscheint wie eine Überraschung, wenn am 11. August um 11 Uhr und 18 Minuten der Neumond sich langsam zwischen Sonne und Erde schieben wird. Damit beginnt ein Naturschauspiel in drei Akten im 110 Kilometer breiten Streifen des Mondschattens. Im Norden verläuft die Grenze der insgesamt 14.000 Kilometer langen Schattenspur auf der Erde von Schärding bis Eisenstadt, im Süden entlang der Linie von Lofer bis Bad Gleichenberg. Rund zwei Stunden und 46 Minuten bleiben, um Naturerscheinungen zu beobachten, die in erst in 82 Jahren wieder beobachtet werden können.Die Finsternis beginnt, wenn der Ostrand des Mondes die Sonne berührt und sich langsam vorschiebt. Und wer mit einer eigenen Schutzbrille ausgestattet – die gefährlichen Strahlen können sonst die ungeschützte Netzhaut ernstlich schädigen – in die Sonne blickt, wird bereits eine kleine Einbuchtung feststellen, die im Verlauf der nächsten Stunde immer größer wird. Das Sonnenlicht ist anfangs nur geringfügig geschwächt, und die Temperatur nimmt bis knapp vor dem Ende der teilweisen Finsternis nur wenig ab.
Eine schwarze Wand
Doch dann wird es dramatisch: der Himmel wird dunkler, jedoch ganz anders als bei der Bedeckung durch Wolken, und nimmt häufig eine unbeschreibliche, seltsam grünliche Tönung an. Von Westen taucht ein dunkles wolkenartiges Gebilde auf, das stetig größer wird – der mit einer Geschwindigkeit von 740 Metern in der Sekunde näherrasende Mondschatten. Gleichzeitig können auf hellen, glatten Flächen eigenartige helle und dunkle Bänder erscheinen – ein seltsames atmosphärisches Phänomen – die fliegenden Schatten. Während der letzten Sekunden der teilweisen Finsternis erlischt das Licht sehr rasch, es wird merklich kühler, und durch den abnehmenden Luftdruck kommt ein Wind auf, der Finsterniswind. Vögel lassen sich zum Schlafen nieder, Fledermäuse verlassen ihre Zufluchtsstätten und Blumen schließen ihre Blüten. Die Natur scheint außer Tritt zu geraten.
Perlen aus dem Mond
Der letzte Schimmer der Sonne wird von den Mondgebirgen in „Bailysche Perlen“ zerteilt. Sobald die letzte Perle verschwunden ist, hat die totale Sonnenfinsternis begonnen. Die in Dunkelheit gehüllte Erde wird nur von der herrlichen, perlweißen Korona beleuchtet, die einen pechschwarzen Mond umgibt. Die Helligkeit auf der Erdoberfläche entspricht etwa der einer klaren Vollmondnacht. Im Gegensatz zum langsamen Fortschreiten der teilweisen Finsternis spielen sich die Ereignisse nun unglaublich schnell ab. Die eindrucksvollste Erscheinung einer totalen Finsternis ist zweifelsohne die Sonnen-Korona. Die helle innere Korona enthält elegant geformte Bögen und helmähnliche Strukturen, die in die schwächeren Strahlen der äußeren Korona übergehen und noch bis zu einem Abstand von mehreren Sonnendurchmessern zu sehen sind. Während der totalen Finsternis sind die sogenannten Protuberanzen als rosa Flammen, Bögen und Wolken zu sehen. Große Protuberanzen bleiben während der ganzen rund zwei Minuten dauernden Phase sichtbar, während mit dem Fortschreiten des Mondes kleinere erscheinen und verschwinden. Es lohnt sich, den Blick von jenen Erscheinungen abzuwenden, die den Mond umgeben. Denn jetzt auch lassen sich mit den an die Dunkelheit gewohnten Augen helle Sterne ausnehmen. Es gibt so viel zu sehen, dass die Zeit mit unglaublicher Geschwindigkeit vergeht, ehe vom Westrand die ersten Sonnenstrahlen das Ende der totalen Finsternis anzeigen.
Das erste Licht
Der erste durch ein Mondtal dringende Sonnenstrahl erzeugt den berühmten „Diamantring-Effekt“. Die Korona und die hellsten Planeten können noch bis zu 20 Sekunden lang zu sehen sein. Das Naturschauspiel ist aber schon fast vorüber. Jetzt laufen die Ereignisse in umgekehrter Reihenfolge und der Schatten des Mondes weicht gegen Osten zurück. Noch einmal erscheinen für einige Minuten die fliegenden Schatten; doch der Mond gibt die Sonne immer weiter frei und es dauert noch etwa eine Stunde, bis die letzte Einbuchtung des Sonnenrandes verschwunden ist.