Am Almsee ist die Welt noch in Ordnung. Dass es dabei bleibt, darüber wacht der Almseefischer.
Ausgabe: 1999/32, Almseefischer, Kofler
13.08.1999
- Peter Zechmeister
Kein anderer kennt den Almsee so gut wie er. Vor zehn Jahren zog Johann Kofler in das Fischerhaus am See. Er kümmert sich um die Natur und die Fischereigebäude rund um das Gewässer.
Ein leises Pfeifen, wie wenn sich der Wind in der Stromleitung fängt. Die Fliege schnellt ein paar mal über der Zille hin und her. Dann klatscht sie wie ein Regentropfen auf das Wasser und versinkt. Nicht einen halben Meter weit weg steht eine Regenbogenforelle von beachtlicher Größe. Doch die hat entweder heute keinen Hunger, oder Lunte gerochen. Sie dreht sich weg und verschwindet mit ein paar Flossenbewegungen aus dem Sichtfeld. Die „Fliege“ ist ein kunstvoll gewickelter Köder aus dünnem Faden, Federn und einem unauffälligen Fischhaken. Kofler öffnet sein Etui. Mehrere Duzend dieser grazilen Gebilde bewahrt er darin auf. Unzählige Fische sind ihm schon durch diese täuschend echten Insektenimitationen auf den Leim gegangen. Nur eine genau festgelegte Menge an Fisch darf jedes Jahr aus dem Almsee geholt werden. Das Meiste landet auf den Speisetellern im Seehaus und im Deutschen Haus am hinteren Ende des Sees.
„Da schau! Dort steht ein schöner.“ Der 69-jährige hat eine etwas raue und doch sanftmütig klingende Stimme. Er legt den Schalter um. Der Elektromotor schnurrt. Das Boot gleitet Richtung offenes Wasser. Johann Kofler gehört zum Almsee wie John Wayne in den Wilden Westen. Ein bisschen sorgt der gelernte Huf- und Wagenschmied hier für Recht und Ordnung. Auf seine Art.
Nicht alle schützen die Natur
„Es gibt Leute, die kommen in die Natur raus und glauben, sie können tun und lassen was sie wollen.“ Kofler meint die Ausflügler, die im Naturschutzgebiet seltene Pflanzen abreißen. „Die verwelken denen noch im Auto. Wenn sie sie stehenlassen, können sich auch noch andere drüber freuen“. Oder die Taucher. Um Flora und Fauna zu schützen ist das Erkunden des Sees unter seiner Oberfläche verboten. „Was nützt es, wenn man streitet. Mit den meisten kann man ja reden, die lassen sich eh überzeugen. Man will sich ja noch in die Augen sehen können“, Kofler schiebt sich seinen Strohhut etwas höher auf die Stirn.Wieder nichts gefangen. Das Boot schwankt ein wenig als sich der Fischer aufrichtet. „Das kommt vom Wetter.“ Zuvor habe es geregnet, dann werde es den Fischen an der Oberfläche zu warm. „Da beißen sie nicht“, sagt er, während er über das glatte Wasser schaut. Von Mai bis August dauert die Saison. Die restlichen acht Monate sind Schonzeit. „Da muß der Fisch die Ruhe wieder finden“, so Kofler. Für ihn selber sei es im November am schönsten. „Da fängt die Laichzeit an“, man erkenne das daran, daß sich die Fische in Gruppen zusammenstellen, „die Tiere verhalten sich anders“, hier spricht einer, der sein Handwerk versteht.
Die vielen Jahre am Wasser und in der urtümlichen Landschaft haben den Mann in Fischertracht und Hosenträgern von einem überzeugt: „Es sollen unsere Kinder auch einmal sagen können, das ist ein Stück Natur, das müssen wir uns erhalten. Solange ich hier lebe, werde ich dafür sorgen, dass das möglich wird.“ Plötzlich ein Klatschen. Die Schnur schneidet durchs Wasser. Die Angel fester gehalten und Seil nachgegeben. Ein Fisch hat angebissen.