Mehrere hundert Christen aus dem Sudan leben seit Jahren als illegale Flüchtlinge im Libanon. Sie überleben dank gelebter Nächstenliebe und der Hilfe durch die Caritas.
„Wir leben hier dank der Gnade Gottes“, sagt Francis. Leicht kommt dem Mittdreißiger dieser Satz nicht über die Lippen; lange suchte er nach passenden Worten um zu beschreiben, wie es ihm hier im Libanon geht. Was er in den vergangenen sechs oder sieben Jahren erlebt hat, kann der Katechist nur mit diesen Worten ausdrücken. Vor seiner Flucht in die libanesische Hauptstadt Beirut lebte Francis im sudanesischen Malakal, an den Ufern des Weißen Nil. In seiner Umgebung war lange Zeit Druck auf den Christen ausgeübt worden, Moslem zu werden. Doch der Katechist blieb weiter in der Jugendarbeit aktiv. Das Blatt wendete sich, als aus der Jugendgruppe eine junge Frau sich taufen ließ. Der Religionslehrer landete ohne Anklage für Monate im Gefängnis. Danach musste er sich ein Dreivierteljahr täglich um sieben Uhr morgens bei der Polizei melden. Immer wieder wurde er eingesperrt. Francis überlegte, was er und seine Familie angesichts der Verfolgung tun sollte. Schweren Herzens entschied er sich zur Flucht. Und, wie in den Zeiten der ersten christlichen Gemeinden, gab ihm sein Bischof ein Empfehlungsschreiben mit auf den Weg.
Schlamperei bei der Geburt
„Dieser Brief hat mir bei der Ankunft in Beirut sehr geholfen“, erzählt Francis. Ein Priester habe ihm daraufhin eine Arbeit angeboten: monatlich zahlt ihm dieser 4200 Schilling, damit der geflüchtete Katechist im Haus mitarbeitet. Doch davon muss Francis alleine schon 2100 im Monat für das 15 Quadratmeter kleine Zimmer abliefern, in dem nur noch er und seine vier Kindern leben. Nwmiddne, die Ehefrau von Francis, war im Oktober vergangenen Jahres bei der Geburt ihres vierten Kindes im größten Krankenhaus Beiruts gestorben. „Wäre sie kein Flüchtling gewesen, würde sie sicher noch leben! Es war reine Schlamperei, was bei dieser Geburt passiert ist“, erzählt Sr. Maggy, die sich als Sozialarbeiterin um die Flüchtlinge in Beirut annimmt. Wieviele Christen aus dem Nahen Osten oder aus Afrika vorübergehend im Libanon ihr illegales Zuhause gefunden haben, lässt sich nur schwer schätzen. Sr. Maggy: „Es sind sicher einige Tausend.“ Andere wie Veronika, werden zu Halbnomaden: Nach der Flucht mit ihrem Mann und der ältesten Tochter vor den sudanesischen Militärs lebte sie in Ägypten. Nach sieben Jahren zogen sie mit zwei weiteren Kindern nach Syrien. Und nun lebt die Familie seit zwei Jahren im Libanon, dem Geburtsland des achtmonatigen Georg. Auch Veronika zahlt für die Ein-zimmer-wohnung 2100 Schilling. Und von dem, was ihr Mann als Tagelöhner nach Hause bringt, bleiben noch 1400 Schilling für die siebenköpfige Familie im Monat.
Eine halbe Tonne Reis
Sr. Maggy und ihre Mitschwester Marie-Ange von den Barmherzigen Schwestern haben darum eine Initiative zur Unterstützung der Flüchtlinge gestartet. 40 Frauen informieren vor mehreren Einkaufszentren der Hauptstadt Beirut über die Situation der Flüchtlinge und bitten um Sachspenden. Und alleine am Karsamstag wurden dabei Lebensmittel im Wert von 70.000 Schilling gesammel darunter mehr als eine halbe Tonne Reis.